Metastasen von Leberkrebs - das Immunsystem aktivieren und Signalwege hemmen

Leberkrebs ist nur heilbar, wenn er frühzeitig erkannt wird. Wenn sich bereits Metastasen gebildet haben, können Immuntherapien und Signalwegehemmer nur noch wenige Monate Aufschub gewähren.

Medikamente gegen Leberkrebs

Proteinkinase-Inhibitoren hemmen das Wachstum von Leberkrebs
Vier Wirkstoffe werden gegen Leberkrebs eingesetzt, wenn Operationen keinen Erfolg versprechen.

Leberkrebs verursacht anfangs kaum Beschwerden und wird häufig übersehen. Dabei ist er in diesem Stadium noch heilbar: Wärmesonden, Operationen und Transplantationen können viele Patienten retten1. Fällt er dann schließlich auf, ist es meist schon zu spät. Bei sieben von zehn Patienten ist die Erkrankung so weit fortgeschritten, dass Operationen nicht mehr möglich sind.

Ärzte versuchen dann häufig, den Leberkrebs von der Blutversorgung zu trennen und dem Patienten etwas mehr Lebenszeit zu verschaffen. Aber spätestens wenn der Tumor bereits Metastasen gebildet hat, bleiben in der Regel nur noch zwei Optionen: Immuntherapie und Signalwegehemmer.

Immuntherapien lösen eine Blockade

Leberkrebs kann das Immunsystem hemmen, um sich vor dessen Angriffen zu schützen. Eine Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren hebt diese Hemmung auf und aktiviert Immunzellen, die daraufhin den Tumor und seine Metastasen bekämpfen. Seit Oktober 2020 ist in Deutschland der Checkpoint-Inhibitor Atezolizumab (Handelsname Tecentriq) für die Behandlung von Leberkrebs zugelassen2.

Kombiniert wird die Immuntherapie mit dem Angionesehemmer Bevacizumab, der den Tumor daran hindert, sich über das Blut mit Nährstoffen zu versorgen.

Die Kombination aus Atezolizumab und Bevacizumab zeigt nur bei einem von vier Patienten eine messbare Wirkung. Im Durchschnitt kann die Therapie den Fortschritt der Erkrankung um etwa sieben Monate aufhalten. Die Schwankungen sind die Schwankungen jedoch beträchtlich: Bei manchen Behandelten wirkt die Therapie nur für kurze Zeit, bei anderen deutlich länger.

Fast alle Behandelten haben mit unerwünschten Folgen zu kämpfen, bei etwa vier von 10 werden die Nebenwirkungen als schwer eingestuft. Die häufigste ist Bluthochdruck, oft ist auch die Funktion von Leber und Nieren gestört. Wenn die Kombinationstherapie ihre Wirkung verliert, wird die Therapie häufig mit Signalwegehemmern fortgesetzt.

Signalwegehemmer stören das Wachstum von Krebszellen

Zahlreiche Wirkstoffe hemmen Signalprozesse in den Krebszellen und verlangsamen deren Wachstum. Diese Signalwegehemmer sind allerdings weit davon entfernt, den Leberkrebs zu heilen - im besten Fall verlängern sie die Lebenszeit um wenige Monate. Vier Wirkstoffe - Sorafenib, Lenvatinib, Regorafenib und Cabozantinib – sind für die Therapie von Leberkrebs zugelassen.

Sorafenib verlängert das Leben um wenige Monate

Im Jahr 2006 wurde mit Nexavar erstmals ein Medikament in Europa zugelassen, das für die Behandlung von fortgeschrittenen Leberkrebs geeignet ist3. Es enthält den Wirkstoff Sorafenib: Dieser Proteinkinase-Inhibitor hemmt die Aktivität von Wachstumsfaktoren, die auf der Oberfläche von Krebszellen und den versorgenden Blutgefäßen zu finden sind.

Die Wirkung ist allerdings begrenzt. Eine größere Studie zeigte, dass Patienten mit Leberkrebs mit Sorafenib durchschnittlich 10,7 Monate überlebten. Bei einer Kontrollgruppe mit Placebo waren es nur 7,9 Monate. Die Kosten für eine Behandlung liegen bei etwa 5000 € im Monat.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Sorafenib zählen Durchfall, Haarausfall und das schmerzhafte Hand-Fuß-Syndrom (Hautreaktionen an den Handflächen und Fußsohlen). In schweren Fällen kann es zu Blutungen, Perforationen im Darm und Herzinfarkt kommen.

Lenvatinib ist eine ähnlich wirksame Alternative

Seit 2015 ist das Medikament Lenvima mit dem Wirkstoff Lenvatinib als Alternative zu Sorafenib zugelassen4. Auch Lenvatinib ist ein Proteinkinase-Inhibitor, der die Bildung von neuen Blutgefäße im Tumor verhindern kann.

Die Wirkung der beiden Medikamente ist vergleichbar: In einer Studien überlebten Leberkrebs-Patienten mit Lenvatinib durchschnittlich 13,6 Monate und mit Sorafenib 12,3 Monate. Die Kosten einer Behandlung mit Lenvatinib liegen etwa zwischen 2500 und 4000 € im Monat.

Auch bei einer Behandlung mit Lenvatinib ist mit Nebenwirkungen zu rechnen. Häufig stellen sich dabei Bluthochdruck, Durchfall, Übelkeit und das Hand-Fuß-Syndrom. Zu den schwerwiegende Nebenwirkungen gehören Nieren- und Herzversagen sowie Blutungen im Gehirn.

Regorafenib und Cabozantinib helfen, wenn Sorafenib versagt

Seit 2013 ist auch der Wirkstoff Regorafenib (Handelsname Stivarga) für die Behandlung von Leberkrebs zugelassen - allerdings erst, wenn Patienten nicht oder nicht mehr auf Sorafenib ansprechen5. Das gleiche gilt für den Wirkstoff Cabozantinib, der seit November 2018 in Europa zugelassen ist6. Auch diese Wirkstoffe gehören zu den Proteinkinase-Inhibitoren, die das Wachstum von Krebszellen und deren Blutversorgung hemmen.

In Studien überlebten Leberkrebs-Patienten mit Regorafenib und Cabozantinib durchschnittlich etwa 10 Monate, bei der Placebo-Kontrolle waren es nur 8 Monate. Die monatlichen Behandlungskosten liegen bei etwa 3000 € für Regorafenib und etwa 6000 € für Cabozantinib. Die Gefahr von Nebenwirkungen ist hoch, häufig sind unter anderem Schwäche, Müdigkeit und das Hand-Fuß-Syndrom.

Vorbeugung ist der beste Schutz

Während die Behandlung meist schwierig ist, gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, die Entstehung von Leberkrebs von vornherein zu verhindern. Besonders in wenig entwickelten Länder ist das Hepatitis-B-Virus einer der wichtigsten Auslöser von Leberkrebs - der flächendeckende Einsatz des gut wirksamen Impfstoffs könnte daher viele Leben retten. Das Pilzgift Aflatoxin verstärkt die krebsauslösende Wirkung der Viren - ein Verbesserung der Nahrungsmittel-Qualität könnte zum Erfolgen beitragen.

In reicheren Ländern ist es eher das Hepatitis-C-Virus, der an der Entstehung von Leberkrebs beteiligt ist. Auch hier gibt es Grund zur Hoffnung: Seit kurzem ist ein Medikament auf dem Markt, das erstmals chronische Infektionen mit diesem Virus beseitigen kann. Auch sind fettreiche Ernährung und übermäßiger Alkoholgenuss eine wichtiger Auslöser der Erkrankung - auch dies ist ein guter Ansatzpunkt für vorbeugende Maßnahmen.

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 9000 Menschen neu an Leberkrebs, und etwa 8000 sterben daran7. Fünf Jahre nach der Diagnose leben nur noch etwa 15 % der Betroffenen. Bislang ist keine Therapie in Sicht, die die Überlebensrate deutlich verbessern könnte - eine Vorbeugung durch gesunden Lebenswandel bleibt daher der beste Schutz.

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1 Deutsche Krebsgesellschaft, Therapie von Leberkrebs, Onko-Internetportal, Stand März 2018 (Link)
2 Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Atezolizumab (Tecentriq) bei fortgeschrittenem Leberzellkrebs, gesundheitsinformation.de, Stand März 2021 (Link)
alle Referenzen anzeigen 3 European Medicines Agency, Nexavar (Sorafenib), Mai 2014 (Link)
4 European Medicines Agency, Lenvima (Lenvatinib), Juli 2018 (Link)
5 European Medicines Agency, Stivarga (Regorafenib), Juli 2017 (Link)
6 Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Cabozantinib (Cabometyx) bei fortgeschrittenem Leberzellkrebs, gesundheitsinformation.de, Stand Juni 2019 (Link)
7 Zentrum für Krebsregisterdaten, Krebs in Deutschland 2015/2016, Robert Koch-Institut (Link)

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Kurz und knapp

  • frühe Stadien von Leberkrebs lassen sich meist mit Operationen heilen
  • späte Stadien sind schwer zu behandeln und enden meist tödlich
  • der Checkpoint-Inhibitor Atezolizumab in Kombination mit dem Angionesehemmer Bevacizumab können den Fortschritt eine Zeitlang aufhalten
  • die Wirkstoffe Sorafenib, Lenvatinib, Regorafenib und Cabozantinib können das Leben verlängern, aber nicht den Leberkrebs heilen
  • vorbeugende Maßnahmen wie Hepatitis-B-Impfungen könnten die Zahl der Leberkrebsfälle deutlich verringern
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