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Leberkrebs nur in frühem Stadium heilbar

Wird Leberkrebs frühzeitig erkannt, hat eine Operation gute Aussichten auf Erfolg. Doch meist erfolgt die Diagnose so spät, dass Medikamente nur noch wenige Monate Aufschub gewähren.

Medikamente gegen Leberkrebs

Proteinkinase-Inhibitoren hemmen das Wachstum von Leberkrebs
Vier Wirkstoffe werden gegen Leberkrebs eingesetzt, wenn Operationen keinen Erfolg versprechen.

Leberkrebs verursacht anfangs nur wenig Beschwerden, so dass die Betroffenen ihre Erkrankung meist gar nicht bemerken. Erst wenn die Funktion der Leber stark eingeschränkt ist stellen sich die ersten Symptome ein. Viele Patienten sind dann bereits stark geschwächt und leiden nicht nur an dem Tumor selbst, sondern auch an einer schweren Störung ihres Stoffwechsels. Ihre restliche Lebenszeit beträgt oft weniger als ein Jahr.

Können Ärzte den Leberkrebs jedoch frühzeitig entdecken, stehen ihnen eine Reihe von operativen Eingriffen zur Verfügung: Sie können den Tumor gezielt zerstören oder die befallenen Teile der Leber entfernen, als letztes Mittel sogar eine Transplantation einleiten1. Doch dazu müssen sich die Betroffenen noch in einem halbwegs guten Zustand befinden. Bei einem bereits geschwächten Patienten schaden derartige Operationen oft mehr, als dass sie helfen.

Bei sieben von zehn Patienten ist der Tumor bereits so weit fortgeschritten, dass Medikamente die letzte Option darstellen. Vier Wirkstoffe - Sorafenib, Lenvatinib, Regorafenib und Cabozantinib - hemmen Signalprozesse in den Krebszellen und verlangsamen deren Wachstum. Allerdings sind sie weit davon entfernt, den Leberkrebs zu heilen - im besten Fall verlängern sie die Lebenszeit um wenige Monate. Manche Patienten könnten auch von Immuntherapien profitieren, deren Anwendung bei Leberkrebs sich allerdings noch in einer Testphase befindet2.

Sorafenib verlängert das Leben um wenige Monate

Im Jahr 2006 wurde mit Nexavar erstmals ein Medikament in Europa zugelassen, das für die Behandlung von fortgeschrittenen Leberkrebs geeignet ist3. Es enthält den Wirkstoff Sorafenib: Dieser Proteinkinase-Inhibitor hemmt die Aktivität von Wachstumsfaktoren, die auf der Oberfläche von Krebszellen und den versorgenden Blutgefäßen zu finden sind.

Die Wirkung ist allerdings begrenzt. Eine größere Studie zeigte, dass Patienten mit Leberkrebs mit Sorafenib durchschnittlich 10,7 Monate überlebten. Bei einer Kontrollgruppe mit Placebo waren es nur 7,9 Monate. Die Kosten für eine Behandlung liegen bei etwa 5000 € im Monat.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Sorafenib zählen Durchfall, Haarausfall und das schmerzhafte Hand-Fuß-Syndrom (Hautreaktionen an den Handflächen und Fußsohlen). In schweren Fällen kann es zu Blutungen, Perforationen im Darm und Herzinfarkt kommen.

Lenvatinib ist eine ähnlich wirksame Alternative

Seit 2015 ist das Medikament Lenvima mit dem Wirkstoff Lenvatinib als Alternative zu Sorafenib zugelassen4. Auch Lenvatinib ist ein Proteinkinase-Inhibitor, der die Bildung von neuen Blutgefäße im Tumor verhindern kann.

Die Wirkung der beiden Medikamente ist vergleichbar: In einer Studien überlebten Leberkrebs-Patienten mit Lenvatinib durchschnittlich 13,6 Monate und mit Sorafenib 12,3 Monate. Die Kosten einer Behandlung mit Lenvatinib liegen etwa zwischen 2500 und 4000 € im Monat.

Auch bei einer Behandlung mit Lenvatinib ist mit Nebenwirkungen zu rechnen. Häufig stellen sich dabei Bluthochdruck, Durchfall, Übelkeit und das Hand-Fuß-Syndrom. Zu den schwerwiegende Nebenwirkungen gehören Nieren- und Herzversagen sowie Blutungen im Gehirn.

Regorafenib und Cabozantinib helfen, wenn Sorafenib versagt

Seit 2013 ist auch der Wirkstoff Regorafenib (Handelsname Stivarga) für die Behandlung von Leberkrebs zugelassen - allerdings erst, wenn Patienten nicht oder nicht mehr auf Sorafenib ansprechen5. Das gleiche gilt für den Wirkstoff Cabozantinib, der seit November 2018 in Europa zugelassen ist6. Auch diese Wirkstoffe gehören zu den Proteinkinase-Inhibitoren, die das Wachstum von Krebszellen und deren Blutversorgung hemmen.

In Studien überlebten Leberkrebs-Patienten mit Regorafenib und Cabozantinib durchschnittlich etwa 10 Monate, bei der Placebo-Kontrolle waren es nur 8 Monate. Die monatlichen Behandlungskosten liegen bei etwa 3000 € für Regorafenib und etwa 6000 € für Cabozantinib. Die Gefahr von Nebenwirkungen ist hoch, häufig sind unter anderem Schwäche, Müdigkeit und das Hand-Fuß-Syndrom.

Vorbeugung ist der beste Schutz

Während die Behandlung meist schwierig ist, gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, die Entstehung von Leberkrebs von vornherein zu verhindern. Besonders in wenig entwickelten Länder ist das Hepatitis-B-Virus einer der wichtigsten Auslöser von Leberkrebs - der flächendeckende Einsatz des gut wirksamen Impfstoffs könnte daher viele Leben retten. Das Pilzgift Aflatoxin verstärkt die krebsauslösende Wirkung der Viren - ein Verbesserung der Nahrungsmittel-Qualität könnte zum Erfolgen beitragen.

In reicheren Ländern ist es eher das Hepatitis-C-Virus, der an der Entstehung von Leberkrebs beteiligt ist. Auch hier gibt es Grund zur Hoffnung: Seit kurzem ist ein Medikament auf dem Markt, das erstmals chronische Infektionen mit diesem Virus beseitigen kann. Auch sind fettreiche Ernährung und übermäßiger Alkoholgenuss eine wichtiger Auslöser der Erkrankung - auch dies ist ein guter Ansatzpunkt für vorbeugende Maßnahmen.

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 9000 Menschen neu an Leberkrebs, und etwa 8000 sterben daran7. Fünf Jahre nach der Diagnose leben nur noch etwa 15 % der Betroffenen. Bislang ist keine Therapie in Sicht, die die Überlebensrate deutlich verbessern könnte - eine Vorbeugung durch gesunden Lebenswandel bleibt daher der beste Schutz.

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1 Deutsche Krebsgesellschaft, Therapie von Leberkrebs, Onko-Internetportal, März 2018 (Link)
2 Deutsche Krebsgesellschaft, Immuntherapie bei Leberkrebs?, Onko-Internetportal, Dezember 2019 (Link)
alle Referenzen anzeigen 3 European Medicines Agency, Nexavar (Sorafenib), Mai 2014 (Link)
4 European Medicines Agency, Lenvima (Lenvatinib), Juli 2018 (Link)
5 European Medicines Agency, Stivarga (Regorafenib), Juli 2017 (Link)
6 Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Cabozantinib (Cabometyx) bei fortgeschrittenem Leberzellkrebs, gesundheitsinformation.de, Stand Juni 2019 (Link)
7 Zentrum für Krebsregisterdaten, Krebs in Deutschland 2015/2016, Robert Koch-Institut (Link)

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Kurz und knapp

  • frühe Stadien von Leberkrebs lassen sich meist mit Operationen heilen
  • späte Stadien sind schwer zu behandeln und enden meist tödlich
  • die Wirkstoffe Sorafenib, Lenvatinib, Regorafenib und Cabozantinib können das Leben verlängern, aber nicht den Leberkrebs heilen
  • vorbeugende Maßnahmen wie Hepatitis-B-Impfungen könnten die Zahl der Leberkrebsfälle deutlich verringern
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