Leberkrebs nur in frühem Stadium heilbar

Leberkrebs ist gut heilbar, wenn er frühzeitig erkannt wird. Doch meist erfolgt die Diagnose so spät, dass Medikamente nur noch wenige Monate Aufschub gewähren.

Leberkrebs verursacht anfangs nur wenig Beschwerden, die Betroffenen bemerken ihre Erkrankung meist gar nicht. Erst wenn die Leber ihre Funktion nur noch eingeschränkt erfüllen kann, stellen sich die ersten Symptome ein. In diesem Stadium sind viele Patienten bereits stark geschwächt: Sie leiden nicht nur an Leberkrebs, sondern auch an einer schweren Störung ihres Stoffwechsels. Ihre restliche Lebenszeit beträgt oft weniger als ein Jahr.

Der Wirkstoff Sorafenib kann Leberkrebs-Patienten etwas mehr Lebenszeit schenken. (Bild: Fvasconcellos)

Mit Hilfe von Ultraschall können Ärzte einen Leberkrebs bereits frühzeitig entdecken. Sie haben dann eine Reihe von Möglichkeiten, den Tumor operativ zu bekämpfen: Sie können den Tumor gezielt zerstören oder die befallenen Teile der Leber entfernen, als letztes Mittel sogar eine Transplantation einleiten1. Doch dies setzt voraus, dass die Betroffenen sich noch in einem halbwegs guten Zustand befinden. Bei einem bereits geschwächten Patienten schaden derartige Operationen oft mehr, als dass sie helfen.

Bei sieben von zehn Patienten ist der Tumor bereits so weit fortgeschritten, dass Medikamente die letzte Option darstellen. Diese Wirkstoffe hemmen Signalprozesse in den Krebszellen und verlangsamen ihr Wachstum. Sie sind weit davon entfernt, den Leberkrebs zu heilen - im besten Fall verlängern sie die Lebenszeit um wenige Monate.

Sorafenib verlängert das Leben um wenige Monate

Im Jahr 2006 wurde mit Nexavar erstmals ein Medikament in Europa zugelassen, das für die Behandlung von fortgeschrittenen Leberkrebs geeignet ist2. Es enthält den Wirkstoff Sorafenib: Dieser Proteinkinase-Inhibitor hemmt die Aktivität von Wachstumsfaktoren, die auf der Oberfläche von Krebszellen und den versorgenden Blutgefäßen zu finden sind.

Die Wirkung ist allerdings begrenzt. Eine größere Studie zeigte, dass Patienten mit Leberkrebs mit Sorafenib durchschnittlich 10,7 Monate überlebten. Bei einer Kontrollgruppe mit Placebo waren es nur 7,9 Monate. Die Kosten für eine Behandlung liegen bei etwa 5000 € im Monat.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Sorafenib zählen Durchfall, Haarausfall und das schmerzhafte Hand-Fuß-Syndrom (Hautreaktionen an den Handflächen und Fußsohlen). In schweren Fällen kann es zu Blutungen, Perforationen im Darm und Herzinfarkt kommen.

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Lenvatinib ist eine ähnlich wirksame Alternative

Seit 2015 ist das Medikament Lenvima mit dem Wirkstoff Lenvatinib als Alternative zu Sorafenib zugelassen3. Auch Lenvatinib ist ein Proteinkinase-Inhibitor, der die Bildung von neuen Blutgefäße im Tumor verhindern kann.

Die Wirkung der beiden Medikamente ist vergleichbar: In einer Studien überlebten Leberkrebs-Patienten mit Lenvatinib durchschnittlich 13,6 Monate und mit Sorafenib 12,3 Monate. Die Kosten einer Behandlung mit Lenvatinib liegen etwa zwischen 2500 und 4000 € im Monat.

Auch bei einer Behandlung mit Lenvatinib ist mit Nebenwirkungen zu rechnen. Häufig stellen sich dabei Bluthochdruck, Durchfall, Übelkeit und das Hand-Fuß-Syndrom. Zu den schwerwiegende Nebenwirkungen gehören Nieren- und Herzversagen sowie Blutungen im Gehirn.

Regorafenib kann helfen, wenn Sorafenib versagt

Seit 2013 ist auch der Wirkstoff Regorafenib (Handelsname Stivarga) für die Behandlung von Leberkrebs zugelassen - allerdings erst, wenn Patienten nicht oder nicht mehr auf Sorafenib ansprechen4. Wie die anderen Wirkstoffe auch ist Regorafenib ein Proteinkinase-Inhibitor, der das Wachstum von Krebszellen und deren Blutversorgung hemmt.

In einer Studie überlebten Leberkrebs-Patienten mit Regorafenib durchschnittlich 10,6 Monate, bei der Placebo-Kontrolle waren es nur 7,8 Monate. Die Behandlungskosten lieben bei etwa 3000 Euro pro Monat. Die Gefahr von Nebenwirkungen ist hoch: Häufig sind Schwäche, Müdigkeit und das Hand-Fuß-Syndrom, in schweren Fällen kommt es zu Leberschädigung, Blutungen und Perforationen der Darmwand.

Vorbeugung ist der beste Schutz

Während die Behandlung meist schwierig ist, gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, die Entstehung von Leberkrebs von vornherein zu verhindern. Besonders in wenig entwickelten Länder ist das Hepatitis-B-Virus einer der wichtigsten Auslöser von Leberkrebs - der flächendeckende Einsatz des gut wirksamen Impfstoffs könnte daher viele Leben retten. Das Pilzgift Aflatoxin verstärkt die krebsauslösende Wirkung der Viren - ein Verbesserung der Nahrungsmittel-Qualität könnte zum Erfolgen beitragen.

In reicheren Ländern ist es eher das Hepatitis-C-Virus, der an der Entstehung von Leberkrebs beteiligt ist. Auch hier gibt es Grund zur Hoffnung: Seit kurzem ist ein Medikament auf dem Markt, das erstmals chronische Infektionen mit diesem Virus beseitigen kann. Auch sind fettreiche Ernährung und übermäßiger Alkoholgenuss eine wichtiger Auslöser der Erkrankung - auch dies ist ein guter Ansatzpunkt für vorbeugende Maßnahmen.

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 8000 Menschen neu an Leberkrebs, und fast genauso viele sterben daran5. Die Todesrate liegt bei annähernd 90 %. Bislang ist keine Therapie in Sicht, die daran viel ändern könnte - eine Vorbeugung durch gesunden Lebenswandel bleibt daher der beste Schutz.

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1 Deutsche Krebsgesellschaft , Therapie von Leberkrebs, März 2018 (link)
2 European Medicines Agency, Nexavar (Sorafenib), Mai 2014 (link)
3 European Medicines Agency, Lenvima (Lenvatinib), Juli 2018 (link)
4 European Medicines Agency, Stivarga (Regorafenib), Juli 2017 (link)
5 Robert Koch-Institut, Krebs in Deutschland 2013/2014 (link)
Der Wirkstoff Sorafenib kann Leberkrebs-Patienten etwas mehr Lebenszeit schenken. (Bild: Fvasconcellos)

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Kurz und knapp

  • frühe Stadien von Leberkrebs lassen sich meist mit Operationen heilen
  • späte Stadien sind schwer zu behandeln und enden meist tödlich
  • die Wirkstoffe Sorafenib, Lenvatinib und Regorafenib können das Leben verlängern, aber nicht den Leberkrebs heilen
  • vorbeugende Maßnahmen wie Hepatitis-B-Impfungen könnten die Zahl der Leberkrebsfälle deutlich verringern