Nabelschnurblut bei Typ-I-Diabetes - Ergebnisse sind wenig ermutigend

   

Stammzellen aus der Nabelschnur sollen besänftigend auf das Immunsystem wirken - Ärzte hoffen daher, sie als Therapie gegen Autoimmunerkrankungen einzusetzen. Doch die ersten Studien bei Typ-I-Diabetes verliefen wenig erfolgreich.

Bauchspeicheldrüse: Die grüngefärbten Zellen stellen das lebenswichtige Insulin her. (Bild: Masur CC 3.0)

Typ-I-Diabetes kann heute gut behandelt werden, doch die Betroffenen - oftmals noch Kinder - müssen große Einschränkungen in ihrem Lebenswandel hinnehmen. Nur die regelmäßige Injektion von Insulin sichert ihr Überleben. Forscher suchen daher nach alternativen Therapien, welche die körpereigene Insulinproduktion wieder in Gang bringen. Nabelschnurblut könnte eine dieser Alternativen sein.

Die Ursache von Typ-I-Diabetes ist vermutlich eine Überreaktion des Immunsystems: Dieses attackiert und zerstört Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die das lebensnotwendige Insulin produzieren. Der Angriff der Immunzellen kann sich über Wochen oder Monate hinziehen. Dies bietet die Chance zum Handeln: Ein frühzeitiger Eingriff könnte zumindest einen Teil der Insulin-produzierenden Zellen retten und den Krankheitsverlauf mildern.

Erste Studie

Nabelschnurblut scheint die Fähigkeit zu haben, das Immunsystem wieder in seine Schranken zu weisen. Diese Hoffnung weckten Tierversuche, bei denen Blutstammzellen einen Angriff auf die Bauchspeicheldrüse verhindern oder den entstandenen Schaden reparieren konnten.

Mit diesem Wissen startete der US-amerikanische Forscher Michael Haller im Jahr 2005 eine Pilotstudie, in der insgesamt 24 kleine Kinder, die an Typ-I-Diabetes litten, mit ihrem eigenen Nabelschnurblut behandelt wurden1. Bereits zwei Jahre später verkündete Haller die ersten Zwischenergebnisse: Bei acht untersuchten Kindern gab die Entwicklung Anlass zu vorsichtigem Optimismus.

Die Studie fand bald darauf Nachahmer. Zu den ersten gehörte eine Forschergruppe aus München, die sieben neu erkrankte diabetische Kinder mit Nabelschnurblut behandelten, das aus einer privaten Nabelschnurbank stammte. Aber auch Forscher in Australien und eine chinesische Biotechnologie-Firma starteten eigene Studien.

Enttäuschende Ergebnisse

Doch dann musste Michael Haller im Jahr 2011 eingestehen, dass sein Optimismus verfrüht gewesen war. Nach Auswertung aller Daten fanden sich keine Hinweise mehr darauf, dass die Behandlung mit Nabelschnurblut den Verlauf von Typ-I-Diabetes positiv beeinflusst hatte2.

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Im Jahr 2014 erklärten auch die Forscher aus München, dass die Infusion von eigenem Nabelschnurblut den Zustand der diabetischen Kinder nicht verbessert hatte3. Ein Beweis für die Wirksamkeit von Nabelschnurblut steht damit weiterhin aus.

Die amerikanischen und deutschen Forscher lassen sich nicht entmutigen und zeigen Wege auf, die in Zukunft vielleicht doch noch zu einem Erfolg führen könnten könnten. Zusätzlich stehen die Ergebnisse der chinesischen und australischen Studie noch aus. Trotzdem hat die anfängliche Hoffnung, dass Nabelschnurblut eine alternative Therapie von Typ-I-Diabetes ermöglicht, einen schweren Dämpfer erhalten.

andere (mögliche) Anwendungen von Nabelschnurblut
Blutkrebs - Erbkrankheiten - Zerebralparese -
Diabetes - Autismus
1 Haller et al., Autologous umbilical cord blood infusion for type 1 diabetes., Exp Hematol 2008, vol. 36, pp. 710-715 (link)
2 Haller et al., Autologous umbilical cord blood transfusion in young children with type 1 diabetes fails to preserve C-peptide., Diabetes Care 2011, vol. 34, pp. 2567-2569 (link)
3 Giannopoulou et al., Effect of a single autologous cord blood infusion on beta-cell and immune function in children with new onset type 1 diabetes: a non-randomized, controlled trial., Pediatr Diabetes 2014, vol. 15, pp. 100-109 (link)

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Kurz und knapp

  • Nabelschnurblut soll beruhigend auf das Immunsystem wirken und den Verlauf von Typ-I-Diabetes mildern
  • Tierversuche haben gezeigt, dass Blutstammzellen Typ-I-Diabetes verhindern oder lindern können
  • die ersten beiden Studien mit diabetischen Kindern konnten keinen positiven Einfluss von Nabelschnurblut nachweisen
  • die Ergebnisse von weiteren Nabelschnurblut-Studien in Australien und China stehen noch aus