Stammzellen treiben Forschung und Medizin voran

   

Stammzellen erzeugen alle menschlichen Gewebe - Forscher verstehen diese Prozesse erst zum Teil. Ärzte hoffen dennoch, das Potenzial der Stammzellen für die Medizin zu nutzen.

Eine einzelne Stammzelle - das befruchtetet Ei - bringt einen ganzen Menschen hervor. Auf dem Weg dahin erzeugt sie eine Vielzahl anderer Stammzellen, aus denen die Organe und Gewebe entstehen. Ein faszi­nierender Prozess, den Ärzte für die Therapie bislang unheilbarer Krankheiten nutzen wollen. Doch zuvor müssen Forscher noch einige offene Fragen klären.

Arten von Stammzellen

Was ist allen Stammzellen gemein? Ihr Entwicklungs­potenzial. Normale (oder ausdifferenzierte) Körperzellen sind an einem Endpunkt angelangt, sie werden sich bis zu ihrem Tod kaum noch verändern. Stammzellen hingegen behalten die Möglichkeit - und die Aufgabe - sich weiter zu entwickeln (zu differen­zieren) und die Zellen der Gewebe und Organe zu erzeugen.

Und was unterscheidet die verschiedenen Stammzellen­arten? Ein wesentlicher Punkt ist wiederum ihr Entwicklungs­potenzial. Embryonale Stammzellen sind pluripotent, aus ihnen können alle menschlichen Gewebe entstehen. Adulte Stammzellen hingegen sind nur noch multipotent, sie sind auf ein einziges Gewebe festgelegt - Herz oder Haut oder Muskel. Und so benennt man adulte Stammzellen auch nach Gewebe, aus dem sie stammen.

Wissenschaftler interessieren sich brennend dafür, wie diese Prozesse ablaufen. Was genau unterscheidet eine Stammzelle von einer Gewebezelle? Was geht während der Entwicklung vor sich, und wie kann man sie steuern? Ein besseres Verständnis dieser Vorgänge wird noch viel Zeit und Mühe erfordern.

Medizin

Diese Mühe ist gut investiert: Stammzellen sollen der Medizin neue Optionen erschaffen. Dazu ist es jedoch nötig, dass Forscher deren Entwick­lungs­fähigkeit in die richtigen Bahnen lenken. Nur so entstehen die gewünschten Gewebezellen, und die Gefahr von Krebs.

Stammzellen in der Medizin

xy

Adulte Stammzellen sind schon seit über 40 Jahren fester Bestandteil der Medizin. Den Anfang machten Zellen aus dem Knochenmark, doch auch das Nabelschnurblut hilft bei der Therapie von Blutkrebs und Erbkrankheiten. Und bei Verbrennungen helfen Stammzellen aus der Haut.

Doch die Entwicklung neuer Therapien mit adulten Stamm­zellen ist ins Stocken geraten. Ein Beispiel ist die Behandlung von Herzinfarkten: Man war mit großen Hoffnungen gestartet, doch die Erfolge blieben bislang bescheiden und ein entscheidender Durchbruch ist nicht absehbar. Es scheint, als seien nicht die Stammzellen selber wichtig, sondern die Substanzen, die sie absondern.

Andere setzen vor allem auf die Therapie mit embryonalen Stammzellen, deren Entwicklung in letzter Zeit deutlich Fahrt aufgenommen hat. Die ersten Versuche deuten an, dass embryonale Zellen keine Gefahr für die Patienten darstellen. Allerdings lehnen viele Menschen diese Zellen aus ethischen Gründen ab - embryonale Stamm­zell­therapien werden sich daher vielleicht niemals in der Klinik durchsetzen.

Ethik

Größere Chancen werden da einer neuen Art von Stamm­zellen eingeräumt, die künstlich im Labor erzeugt wird. Diese induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) sind zwar ähnlich entwicklungsfähig wie ihre embryonalen Vettern, aber ethisch völlig unumstritten. Noch ist unklar, wie sich iPS-Zellen im Menschen verhalten, doch auch hier wurde bereits die erste Studie gestartet.

Ethik und Stammzellen, da denkt jeder sofort an die Vernichtung von Embryonen. Sicherlich auch ein schwieriges Thema mit großer Tragweite - wer kann schon entscheiden, wann der Mensch zum Menschen wird. Doch dies wird leider nicht der einzige heikle Punkt bleiben.

Die Kombination von Stammzell- und Gentechnologie eröffnet dem Menschen die erschreckende Option, das eigene Erbgut gezielt zu verändern. Voll entwicklungsfähige Stamm­zellen können heute mit Leichtigkeit im Labor erzeugt und genetisch manipuliert werden. Noch hat niemand versucht, daraus einen Menschen zu züchten, aber mit Mäusen ist das bereits machbar. Auch diese Technik ist also nicht vor Missbrauch gefeit.

Doch bislang bleiben diese Horrorvisionen reine Theorie. Reell sind jedoch die Anstrengungen, das heilende Potenzial der Stammzellen für die Medizin zu nutzen. Es wird sicher noch viele Jahre dauern, aber vielleicht wird in Zukunft manche unheilbare Krankheit so ihren Schrecken verlieren.

Arten von Stammzellen

Vielfältige Entwicklung: Stammzellen unter­scheiden sich in ihrem Potential; manche können nur einzelne Gewebe bilden, andere einen ganzen Menschen.

Definition Stammzellen

Stammzellen können sich unbegrenzt teilen. Sie bringen dabei neue Stammzellen hervor, verwandeln sich aber auch in andere Körper­zellen.

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Stammzellen in der Medizin

xy
Viele Arten von Stammzellen werden bereits in der Medizin eingesetzt. Adulte Zellen aus dem Knochenmark und dem Nabelschnurblut haben sich fest etabliert, währende embryonale und fetale Stammzellen erst noch in klinischen Studien getestet werden.

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