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Big Pharma: Das Ende der Zurückhaltung?

Lange zögerte die Industrie mit dem Einstieg - das Thema Stammzellen erschien ihnen zu heiß. Doch nun scheint der Wind zu wechseln.

Das Interesse der Pharma-Riesen an Stammzellen steigt1. Jahrelang hielt man sich zurück, da die Erfolgsaussichten zu ungewiss waren und man das Risiko lieber kleineren Firmen überließ (allgemein eine beliebte Strategie dieser Industrie).

Die Pharmaindustrie hofft, auf lange Sicht mit Stammzellen viel Geld zu verdienen.

Vor allem aber wirkten die ethischen Debatten abschreckend - mit einer vielfach als "Mord" gebrandmarkten Technologie wollte kein Konzern in Verbindung gebracht werden. Auch jetzt noch umschifft Roche dieses Thema, bislang geht es "nur" um die Entwicklung von Medikamenten im Labor. Doch dieser Schritt eröffnet neue Optionen in dem potentiell höchst lukrativem Geschäft mit Stammzelltherapien.

Pfizer übernimmt die Führung

Zu den ersten gehörte der Schweizer Pharmakonzern Roche, der im Jahr 2010 zwei renommierten US-Forschungsinstitute 20 Millionen US-Dollar zahlte, um Zugriff auf deren innovative Stammzell-Technologien zu erhalten.

Deutlich offensiver als Roche - aber ebenfalls ohne großes Aufheben - agiert der Branchen-Primus Pfizer. Die eigene Forschung wurde 2008 durch die Gründung einer eigenen Abteilung mit mehr als 50 Wissenschaftlern gestärkt. Zusätzlich entwickelt man mit dem University College in London eine Therapie für Augenkrankheiten, die auf embryonalen Stammzellen beruht. Mit der Zahlung von - für einen Weltkonzern - geringen Millionenbeträgen sicherte man sich auch den Einfluss auf kleinere Firmen. Die Firma Athersys gewinnt adulte Stammzellen aus menschlichem Knochenmark, die Pfizer für die Behandlung von entzündlichen Darm­krankheiten einsetzen möchte.

Auch mit Roslin Cells vereinbarte man im Juli 2011 eine Kooperation. Pfizer erhält so Zugriff auf eine Reihe von embryonalen Stammzelllinien, die unter höchsten Qualitäts­standards gezüchtet wurden. Roslin Cells ist ein Ableger des Roslin Instituts, welches durch die Zeugung des Klonschafs Dolly berühmt geworden ist.

Weiterhin wird das London Project to Cure Blindness unter­stützt, dass embryonale Stammzellen für die Behandlung von Augenkrankheiten einsetzen will2. Hier sind die Pläne weit vorangeschritten - im Februar 2015 sollen die ersten Tests am Menschen beginnen. Pfizer macht keinen Hehl aus seinen Ambitionen: Falls in Zukunft Therapien mit embryonale Stammzellen Wirklichkeit werden, wird der Konzern ein gewichtiges Wort mitreden.

Rangelei um die Plätze

Die Liste der Firmen ließe sich noch beliebig erweitern. GE Healthcare etwa hat eine Kooperation mit Geron abge­schlossen - der ersten Firma, die eine klinische Studie mit embryonalen Stammzellen durchführte (Geron hat die Therapie mittlerweile der Firma Asterias überlassen). Und Johnson & Johnson sicherten sich Vermarktungsrechte der Firma ViaCyte, die bald eine klinische Studie mit embryonalen Stammzellen für Typ-1-Diabetes beginnen wird3.

Für Novartis, GlaxoSmithKline und AstraZeneca (Nummer 2, 5 und 7 auf der Liste der größten Pharmaunternehmen) sind ähnliche Aktivitäten zu verzeichnen4. Wie bei Roche geht es anfänglich um den Test von pharmakologischen Substanzen im Labor, doch muss man kein Prophet sein, um dies auch als Einstieg in das Therapiegeschäft zu deuten. Die Rangelei um die Plätze am Fleischtopf hat begonnen.

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1 McKernan et al., Pharma's Developing Interest in Stem Cells, Cell Stem Cell (2010), vol. 6, pp. 517-20 (Link)
2 H. Ledford Stem-cell company in crisis, Nature News, 25. Januar 2014 (Link)
alle Referenzen anzeigen 3 J&J signs stem cell type 1 diabetes deal with ViaCyte, PharmaTimes 21.8.2014 (Link)
4 M. Baker, Testing time for stem cells, Nature 2010, vol. 463, p. 719 (Link)
Die Pharmaindustrie hofft, auf lange Sicht mit Stammzellen viel Geld zu verdienen.

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