Leberkrebs - ein weltweites Problem

   

Leberkrebs gehört weltweit zu den fünf häufigsten Krebsarten - vor allem in wenig entwickelten Ländern. Doch auch in den westlichen Industriestaaten könnte die Häufigkeit zunehmen.

Die menschliche Leber ist jeden Tag großen Belastungen ausgesetzt, und sie kann gut damit umgehen - ihre Fähigkeit zur Regeneration ist beeindruckend. Ein Viertel der ursprünglichen Masse reicht aus, um das Organ wieder vollständig herzustellen. Doch auch die Leber kann überlastet werden: Ist sie einmal chronisch entzündet, droht die Entwicklung von Krebs.

Auftreten von Leberkrebs

Leberkrebs ist vor allem ein Problem in Ost-Asien und Afrika (die Intensität der Rotfärbung zeigt die Häufigkeit an). (Bild: IARC, Furfur)

Etwa 800 000 neue Fälle von Leberkrebs sind weltweit pro Jahr zu ver­zeichnen1. Besonders schwer sind Ost-Asien und Afrika betroffen, da in diesen Region zwei ungünstige Umstände aufeinander treffen: Häufige Infektionen mit Hepatitis-Viren und Verunreinigung der Nahrung mit dem Pilzgift Aflatoxin. Beide Faktoren gelten als wichtige Ursachen von Leberkrebs.

In den westlichen Industriestaaten sind Virus-Infektionen seltener und die Qualität der Nahrung besser - Leberkrebs tritt daher deutlich seltener auf. Neben Viren spielen hier andere Ursachen eine zunehmende Rolle: Zirrhosen und ähnliche chronische Entzündungen, wie sie nach Alkoholmissbrauch oder in einer sogenannten Fettleber entstehen. Da die Zahl der übergewichtigen Menschen - und damit auch entzündliche Lebererkrankungen - in den reichen Länder zunimmt, befürchten Experten, dass auch Fälle von Leberkrebs häufiger werden2.

In der Leber siedeln sich oftmals Metastasen an - Tochtergeschwülste von Tumoren, die sich in anderen Organen gebildet haben. Doch der Begriff Leberkrebs bezeichnet nur solche Formen, die in der Leber selbst entstanden sind. In drei Viertel aller Fälle entsteht er aus Leberepithelzellen oder Hepatozyten, der häufigsten Zellart in dem Organ. Diese Form nennt sich hepatozelluläres Karzinom. Deutlich seltener ist das cholangiozelluläre Karzinom, das aus Zellen der Gallengangs entsteht. Nur in Ausnahmefällen bilden auch andere Zellarten den Ursprung von Leberkrebs.

Meist bei älteren Menschen

Voraussetzung für die Entwicklung von Leberkrebs ist fast immer eine langjährige Entzündung - ob durch Viren, Alkohol oder andere Ursachen ausgelöst. In den westlichen Staaten tritt daher die Erkrankung vor allem bei älteren Menschen auf, das durchschnittliche Alter liegt bei etwa 70 Jahen. In Deutschland gibt es jährlich etwa 8000 neue Fälle, wobei Männer mehr als doppelt so häufig betroffen sind als Frauen3.

Wird Leberkrebs rechtzeitig entdeckt, ist er gut zu operieren: Oft muss nur der befallene Teil der Leber entfernt werden, der dann rasch wieder durch gesundes Gewebe ersetzt wird. Doch in der Regel wird der Tumor erst in einem späten Stadium auffällig, in dem Operationen für die meisten Patienten - die oft schon stark geschwächt sind - kaum mehr Erfolg versprechen. Der Krebs ist dann kaum noch zu behandeln: Nur etwa einer von zehn Patienten überlebt länger als fünf Jahre. Sorafenib ist der einzige Wirkstoff, der in diesem Stadium zumindest eine teilweise Wirkung erzielt - doch eine Heilung bewirkt er in der Regel auch nicht.

Trotz intensiver Bemühungen sind bislang alle Versuche fehlgeschlagen, wirksamere Medikamente für Leberkrebs zu entwickeln. Die Medizin steht also immer noch vor einer großen Herausforderung. Eine effiziente Vorbeugung - durch Impfungen oder Umstellung der Ernährung - ist wohl der aussichtsreichste Weg, um die Zahl der Leberkrebsfälle zu verringern.

1 IARC, Liver Cancer: Estimated Incidence, Mortality and Prevalence Worldwide in 2012 (link)
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Kurz und knapp

  • Leberkrebs ist fast immer Folge einer chronischen Entzündung, die oft durch Viren oder Alkoholmissbrauch ausgelöst wird
  • fast 90 % der Leberkrebsfälle treten in wenig entwickelten Länder auf
  • die häufigste Form von Leberkrebs (das hepatozelluläre Karzinom) entsteht aus Leberepithelzellen, den Hepatozyten
  • frühe Stadien des Leberkrebs können operativ geheilt werden
  • meist wird der Tumor zu spät entdeckt, und dann ist er nur schwer zu behandeln