Viren und Zirrhosen lösen Leberkrebs aus

   

Alkohol, Viren und Giftstoffe setzen der Leber schwer zu. Lösen diese Faktoren eine chronische Entzündung aus, kann Krebs die Folge sein.

Die Zellen der Leber vermehren sich sehr schnell, und das müssen sie auch: Die großen Belastungen, denen das wichtigste menschliche Stoffwechsel-Organ ausgesetzt ist, erfordern eine ständige Reparatur des Gewebes. Doch dies birgt auch eine Gefahr - je öfter sich die Zellen teilen, desto mehr Schäden sammeln sie in ihrem Erbgut an. Werden dabei Krebsgene mutiert, kann das Wachstum der Zellen außer Kontrolle geraten.

Auslöser: Der Hepatitis-B-Virus ist eine der wichtigsten Ursachen von Leberkrebs. (Bild: Palmer / CDC)

Eine fortgesetzte Schädigung der Leber stimuliert das Wachstum der Zellen zusätzlich, so dass die Gefahr von Krebs massiv ansteigt. Fast jedem Fall von Leberkrebs geht daher eine chronische Entzündung voraus. Vor allem zwei Auslöser spielen eine wichtige Rolle: Zum einen Überlastung der Leber durch Alkohol oder fettreiches Essen, und zum anderen die Infektion mit Hepatitis-Viren.

Hohe Mengen an Alkohol oder ungesunde Ernährung können zur Einlagerung von Fett in das Lebergewebe führen - eine sogenannte Fettleber entsteht. Hält dieser Zustand lange Zeit an, entwickelt sich daraus eine chronische Entzündung, die in manchen Fällen schon eine Vorstufe von Leberkrebs sein kann1. Doch viel gefährlicher ist es, wenn die Entzündung in die letzte Phase eintritt: die Leber-Zirrhose.

Bei einer Zirrhose ist die gesamte Leber mit Narbengewebe durchsetzt und kann ihre normale Funktion nicht mehr vollständig erfüllen. Die verbleibenden Leberzellen teilen sich mit Höchstgeschwindigkeit, um das Gewebe so gut wie möglich in Stand zu halten. Da ist es oft nur noch eine Frage der Zeit, bis sich genügend Genmutationen angesammelt haben, die zur Entstehung von Krebs führen.

Hepatitis-Viren

Eine zweite vorherrschende Ursache von Leberkrebs ist unabhängig vom Lebensstil, hat aber ähnliche Folgen. Eine Infektion mit Viren ist hierbei der Auslöser: Zwei Arten von Hepatitis-Viren (mit B und C bezeichnet) können die Leber befallen und sich dort lange - im schlimmsten Fall lebenslang - festsetzen. Die Folge ist eine chronische Entzündung, die ebenfalls in einer Zirrhose enden kann. Zur Entstehung von Krebs ist es dann nur noch ein kleiner Schritt.

Eine wichtige Rolle spielt dabei auch ein Gift, das über die Nahrung aufgenommen werden kann. Manche Getreidesorten werden von Schimmelpilzen befallen, die das Gift Aflatoxin produzieren. Aflatoxin schädigt ebenfalls die Leber, und vor allem in Kombination mit einer Hepatitis-Viren-Infektion steigt das Risiko von Krebs drastisch an.

Es ist also vor allem eine Überlastung der Leberzellen - ausgelöst durch unterschiedliche Umwelteinflüsse - die eine Entstehung von Krebs fördern. Im Gegensatz zu vielen anderen Krebsformen ist der Einfluss der Gene schwer zu fassen: Ein bestimmtes Krebsgen, das besonders häufig auftritt, wurde bis jetzt noch nicht gefunden. Die Entwicklung zielgerichteter Medikamente, die etwa bei Hautkrebs große Hoffnung auslösen, ist daher bei Leberkrebs nur schwer möglich.

Doch auffällig ist, dass Männer deutlich stärker betroffen sind als Frauen - das Erbgut scheint also trotzdem eine wichtige Rolle zu spielen. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern rühren zwar teilweise von anderen Lebens­gewohn­heiten her (vor allem beim Alkoholgenuss), doch alles erklärt dies nicht. Manche Forscher vermuten daher, dass auch Sexualhormone an diesen Prozessen beteiligt sind2. Laut dieser Theorie fördert das männliche Testosteron den Leberkrebs, wohingegen weibliche Östrogene ihn hemmen.

Eine Behandlung mit Sexualhormonen wäre daher vielleicht eine Möglichkeit, Leberkrebs zu behandeln oder von Anfang an zu verhindern. Neue Therapien werden dringend benötigt, denn die Entwicklung von Medikamenten tritt seit Jahren auf der Stelle: Noch immer kommt ein fortgeschrittener Leberkrebs fast einem Todesurteil gleich.

1 B. Morgan, The liver labyrinth, Nature, Dezember 2014 (link)
2 C. Humphries, Luck of the chromosomes, Nature, Dezember 2014 (link)
Auslöser: Der Hepatitis-B-Virus ist eine der wichtigsten Ursachen von Leberkrebs. (Bild: Palmer / CDC)

Mehr...

  • Sonne und Gene lösen Hautkrebs aus mehr...
  • Gene und Hormone steigern Risiko von Brustkrebs mehr...

Häufig besucht

zellstoff - der Blog

16. November 2018
Das „Gen für …“ ist tot. Es lebe der „polygenic score“!
Egal wo Forscher hinschauen: Kaum eine erbliche Eigenschaft wird durch ein einzelnes Gen geprägt. Oft sind hunderte genetische Faktoren beteiligt. Doch der polygenic score reduziert sie wieder auf eine einzige Zahl.
mehr...

Kurz und knapp

  • Leberzellen vermehren sich schnell und können Mutationen in Krebsgenen ansammeln
  • chronische Entzündungen sind fast immer die Vorstufe von Leberkrebs
  • Hepatitis-Viren der Klassen B und C lösen Zirrhosen aus und fördern die Entstehung von Leberkrebs
  • das Pilzgift Aflatoxin verstärkt die krebsauslösende Wirkung der Hepatitis-Viren
  • eine Fettleber und Zirrhosen durch Alkoholmissbrauch können sich ebenfalls zu Leberkrebs weiter entwickeln