Fetale Stammzellen: Nicht mehr embryonal, noch nicht adult

   

Fetale Stammzellen haben ähnliche Eigenschaften wie adulte Stammzellen, wachsen aber oftmals schneller. Ihre Gewinnung - in der Regel aus abgetriebenen Feten - ist ethisch heikel und praktisch nicht ohne Probleme.

Fetale Zellen sind eine Übergangsform: Nicht mehr so wandelbar wie embryonale, aber deutlich wachstums­freudiger als adulte Stammzellen1. Gewonnen werden sie aus älteren Embryonen oder Feten, bei denen sich die inneren Organe schon ausgebildet haben. Auch die Stammzellen sind dann schon weiter entwickelt und bereits auf ein bestimmtes Körpergewebe festgelegt - also nur noch multipotent.

Fetale Stammzellen in der Medizin

Menschliche Feten sind eine Quelle für Stammzellen. In der Medizin werden Zellen aus Gehirn, Retina und Leber getestet.

Eine Ausnahme bilden nur die Urkeimzellen der Keimdrüsenleiste: Diese sogenannten primordialen Stammzellen haben ähnliche Eigenschaften wie ihre embryonalen Vettern, und sie eignen sich daher für die Erzeugung von pluripotente Stammzelllinien.

Fetale Zellen in der Medizin

Ärzte versuchen schon seit vielen Jahren, fetale Zellen für die Behandlung von Krankheiten zu nutzen. Das hätte eine Reihe von Vorteilen: Das Erbgut dieser sehr "jungen" Zellen weist kaum Schäden auf, ihr Wachstumspotential ist noch sehr hoch, und sie sind einfach zu isolieren.

Besonders wenn adulte Stammzellen rar sind - wie z.B. im Gehirn - boten fetale Zellen lange Zeit die einzige Möglichkeit, eine Stammzell­therapie zu entwickeln. So sind es vor allem neuro-degenerative Erkrankungen wie Parkinson2 oder Chorea Huntington3, bei denen klinische Studien mit fetalen Stammzellen durchgeführt werden.

Aber schon in absehbarer könnten induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) auch bei neuro-degenerativen Erkrankungen eine realistische Alternative bieten.

Ethische und praktische Probleme

Der Einsatz von fetalen Zellen ist in ethischer Hinsicht sehr problematisch. Sie werden zumeist aus abgetriebenen Feten gewonnen, ihre Anwendung löst damit kaum weniger Proteste aus als die Abtreibung selber.

Hinzu kommen erhebliche praktischen Probleme: Die Zahl der Stammzellen, die aus einem Fetus isoliert werden kann, ist sehr klein, und die Vermehrung schwierig. Man wird also niemals ausreichend Zellen zur Verfügung haben, um große Patientenzahlen zu behandeln.

Es erscheint daher fraglich, ob fetale Stammzellen jemals eine bedeutende Rolle in der Medizin spielen werden. Adulte und embryonale Stammzellen sowie die iPS-Zellen erscheinen dafür auf lange Sicht wesentlich besser geeignet.

1 Pojda et al., Nonhematopoietic stem cells of fetal origin - how much of today's enthusiasm will pass the time test?, Folia Histochemica et Cytobiologica 2005, vol. 43, pp. 209-12 (link)
2 C. Holden, Fetal Cells Again?, Science, vol. 326, pp. 358-9 (link)
3 J. Bidder, Hoffnung für unheilbar Kranke, Focus vom 18.8.2008 (link)

Fetale Stammzellen in der Medizin

Menschliche Feten sind eine Quelle für Stammzellen. In der Medizin werden Zellen aus Gehirn, Retina und Leber getestet.

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Kurz und knapp

  • fetale Stammzellen werden meist aus abgetriebenen Embryonen und Feten gewonnen
  • in ihrer Entwicklung sind sie auf bestimmte Gewebe und Organe festgelegt (mit Ausnahme der primordialen Stammzellen)
  • sie vermehren sich schneller und besser als adulte Stammzellen
  • vor allem neuro-degenerative Erkrankungen könnten mit ihnen behandelt werden