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Viren und Bakterien als Ursache von Krebs

In Europa wird einer von vierzehn Krebsfällen wird durch Infektionen ausgelöst, weltweit liegt der Anteil doppelt so hoch. Drei Viren und ein Bakterium spielen dabei eine Hauptrolle.

Im Jahr 2018 wurden weltweit etwa 17 Millionen neue Fälle von Krebs gezählt, Viren und Bakterien sollen für etwa 2,2 Millionen davon verantwortlich sein1. Das ist ein Anteil von etwa 13 Prozent. Viele der Infektionen wären vermeidbar gewesen - und damit auch die Krebserkrankungen.

Krebs durch Infektionen

Jährlich werden über zwei Millionen Krebsfälle durch Infektionen ausgelöst
Pro Jahr erkranken über zwei Millionen Menschen weltweit an einer Krebsform, die durch Bakterien oder Viren ausgelöst wird1.

Vier Erreger sind dabei am gefährlichsten, über 90 % der Krebsfälle gehen auf ihr Konto: das humane Papillomavirus (HPV), die humanen Hepatitisviren B und C (HBV und HCV) sowie das Magenbakterium Helicobacter pylori.

Alle vier können chronische Infektionen verursachen: Das Immunsystem kann die Erreger nicht wirksam bekämpfen, so dass sie lebenslang im Körper ausharren. Nach vielen Jahren oder sogar Jahrzehnten dann zum Ausbruch von Krebs führen. Zum Glück ist dies ein eher seltenes Ereignis: In der Regel wird nur etwa eine von hundert Infektionen zu einer Krebserkrankung führen.

Chronische Entzündung

Auf welchem Weg die Erreger den Krebs auslösen, ist noch nicht vollständig geklärt. Bei jedem Erreger scheint der Prozess etwas anders abzulaufen. Doch der Hauptangriffspunkt bleibt immer der gleiche - das menschliche Erbgut. Mutationen häufen sich in den infizierten Zellen, und die Gefahr steigt, dass dabei auch die sogenannten Krebsgene aktiviert werden.

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Schon allein die chronische Entzündung begünstigt die Entwicklung von Krebs. Die Zellen in den infizierten Geweben geraten unter Stress und verlieren die Kontrolle über wichtige Signalwege. Dabei büßen sie zunehmend die Fähigkeit ein, ihr Erbgut vor gefährlichen Mutationen zu schützen.

Aber auch die Erreger tragen ihren Teil bei. Viren etwa sind in der Lage, das menschliche Protein p53 zu hemmen2. p53, auch Wächter des Genoms genannt, ist ein sogenannter Tumorsuppressor: Wenn seine Aktivität nachlässt, haben die Krebsgene ein leichteres Spiel. Auch das Bakterium H. pylori kann direkt eingreifen: Es setzt einen Faktor frei, der Zellen im Magen dazu bringt, den ersten Schritt in Richtung Krebs zu tun3.

Viele dieser Krebsfälle ließen sich vermeiden4. Für den Hepatitisvirus B gibt es eine effiziente Impfung, und die Weltgesundheitsorganisation WHO strebt schon länger an, weltweit alle Kinder so früh wie möglich zu impfen. Auch für Papillomaviren wurde kürzlich eine wirksame Impfung eingeführt, die zumindest in den reichen Ländern langsam zum Standard wird.

Gegen den Hepatitisvirus C gibt es keinen Impfschutz, aber zumindest in ärmeren Länder könnte dessen Verbreitung durch Hygienemaßnahmen eingeschränkt werden. Eine Infektion mit H. pylori kann mit Antibiotika behandelt werden; das müsste allerdings frühzeitig geschehen, da schon Kinder chronisch infiziert sein können.

Wer ist am gefährlichsten?

Eine Studie hat für das Jahr 2018 bestimmt, welche der Infektionen am häufigsten zu Krebs führen1. Das Ergebnis: H. pylori forderte die meisten Opfer. 810 000 Menschen waren es weltweit, die aufgrund der Infektion mit dem Magenbakterium an Krebs erkrankten. Magenkrebs war dabei eindeutig die vorherrschende Form. Manchmal entwickelte sich jedoch auch das seltene MALT-Lymphom, das von Immunzellen im Magengewebe ausgeht.

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Kaum weniger gefährlich sind die Papillomaviren: Bei insgesamt 690 000 Krebsfällen gelten sie als Ursache. In fast 90 % der Fälle entstand dabei Gebärmutterkrebs, die Opfer sind demzufolge fast alles Frauen. Wesentlich seltener waren Krebserkrankungen der Geschlechtsorgane, des Anus und des Mundrachens.

Kurz danach folgen die beiden Formen des Hepatitisvirus. HBV und HCV lösten 520 000 Krebsfälle auf, und fast alle betrafen die Leber. In seltenen Fällen entstand auch eine Form von Lymphdrüsenkrebs, das zu den Non-Hodgkin-Lymphomen gezählt wird.

Unterschiede zwischen Arm und Reich

Bei dem Auftreten der Erkrankungen gab es teilweise größere Unterschiede zwischen reicheren Ländern ärmeren Regionen. Der Anteil der Infektionen an den Krebsfällen war in armen Ländern meist deutlich höher - besonders bei den Hepatitisviren war das auffällig. H. pylori hatte jedoch eher in reichen Gesellschaften einen größeren Anteil an den Krebsfällen. Bei Papillomaviren und Gebärmutterkrebs gab es hingegen kaum messbare Unterschiede.

Neben diesen vier dominanten Erregern gab es aber noch andere, die mit Krebs in Verbindung gebracht werden1. Die Studie nennt hier noch das Epstein-Barr-Virus (vor allem Lymphome), das Humane Herpesvirus 8 (Kaposi-Sarkom) und das Humane T-lymphotrope Virus 1 (Leukämien und Lymphome). Dazu kommen noch zwei Formen von Leber-Parasiten (Gallengangskarzinom) und der Saugwurm Schistosoma haematobium (Blasenkrebs).

Die Rolle von Erregern bei Krebserkrankungen ist nicht zu unterschätzen. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Ursachen von Krebs gibt es hier einen klaren Weg zur Vorbeugung: Impfungen und konsequente Behandlung der Infektionen. Bei Einhaltung dieser Maßnahmen könnten Millionen von Krebstoten verhindert werden.

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1 de Martel et al., Global burden of cancers attributable to infections in 2018, The Lancet, Februar 2020 (Link)
2 Chen et al., Viral Carcinogenesis: Factors Inducing DNA Damage and Virus Integration, Cancers 2014 (Link)
alle Referenzen anzeigen 3 Stein et al., Helicobacter pylori CagA: From Pathogenic Mechanisms to Its Use as an Anti-Cancer Vaccine, Frontiers Immunology Oktober 2013 (Link)
4 M. Schwartz, Incision revision, Nature Dezember 2014 (Link)

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Kurz und knapp

  • etwa 15 % aller Krebsfälle weltweit werden durch Infektionen ausgelöst
  • vier Erreger sind für fast 90 % dieser Krebserkrankungen verantwortlich
  • das Bakterium Helicobacter pylori löst Magenkrebs aus
  • Papillomaviren (HPV) lösen Gebärmutterkrebs aus
  • die Hepatitisviren B und C (HBV und HCV) lösen Leberkrebs aus
  • viele dieser Krebserkrankungen könnten durch Impfungen verhindert werden
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