Metastasen - leicht zu entdecken, schwer zu behandeln

   

Metastasen sind die häufigste Todesursache bei Krebs. Moderne Verfahren spüren die gefährlichen Kolonien zuverlässig auf, doch wirksame Therapien bleiben Mangelware.

Immuntherapien und zielgerichtete Medikamente - bei der Bekämpfung von Krebs hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Doch die Therapie von Metastasen scheint auf der Stelle zu treten: Ihre Aggressivität und Resistenz bleiben ein zentrales Problem. Wenn die Zahl der Kolonien überhand nimmt, kann der Kampf fast aussichtslos werden. 90 % aller Patienten sterben daher nicht am ursprünglichen Tumor, sondern aufgrund der Metastasen.

Metastasen in einem Lymphknoten im Halsbereich. Dargestellt mit einer Mischung aus Computertomographie und Positronen-Emissions-Tomographie. (Bild: A. Kouchiyama)

Die Diagnose ist dabei das geringste Problem1: Bildgebende Verfahren spüren Metastasen meist zuverlässig auf, egal in welchem Organ sie sich verstecken. Dank stetiger Fortschritte liefern Röntgenaufnahmen, Computer- und Kernspintomographie gut aufgelöste Bilder, auf denen die Krebskolonien leicht auszumachen sind.

Verräterischer Stoffwechsel

Andere Methoden entdecken verräterische Signale, die den speziellen Stoffwechsel der Krebszellen sichtbar machen. Wenn diese Instrumente, Szintigraphen und Positronen-Emissions-Tomographen genannt, mit den klassischen bildgebenden Verfahren kombiniert werden, können sie Metastasen noch eindeutiger identifizieren.

Keines dieser Verfahren ist absolut sicher: Spezifität und Sensitivität - wichtige Eckpunkte für die Zuverlässigkeit der Methoden - schwanken zwischen 73 und 97 %. Besteht der Verdacht auf Metastasen, wird ein Arzt daher immer noch mindestens eine weitere Methode zu Rate ziehen, um die Diagnose doppelt abzusichern. Dies funktioniert jedoch nur bis zu einer gewissen Größe: Sogenannte Mikrometastasen, die kleiner als zwei Millimeter sind, bleiben meist unentdeckt.

Forscher hoffen, dass weitere Methoden in Zukunft die bildgebenden Verfahren ergänzen können. Oftmals wird dabei versucht, das Erbgut der Metastasen im Blut nachzuweisen. Doch bislang waren die Ergebnisse nur bedingt zuverlässig, so dass sie im klinischen Alltag noch keine Rolle spielen3.

Wie viele Metastasen, und wo?

Was passiert, wenn Ärzte Metastasen entdeckt haben? Das hängt stark von den Umständen und dem Zustand des Patienten ab. Zwei Befunde spielen dabei eine entscheidende Rolle: Die Anzahl der Metastasen und der Ort, an dem sie sich eingenistet haben.

Im günstigsten Fall haben sich nur wenige Metastasen gebildet, und das an Stellen, die gut erreichbar sind. Die Chancen für eine erfolgreiche Behandlung stehen dann gut. Die Therapie besteht meist aus einer Operation, bei der ein Chirurg die Metastasen aus dem gesunden Gewebe entfernt. Zur Unterstützung werden häufig Chemo- oder Strahlentherapien eingesetzt, manchmal sogar schon vor dem operativen Eingriff.

Einige Studien haben untersucht, wie groß die Überlebenschancen nach einer Behandlung von Metastasen sind. Wenn etwa Darmkrebs Metastasen in die Leber ausstreut, lebten etwa 25 bis 50 von 100 Patienten noch fünf Jahre oder länger2. Ähnliche Zahlen gelten, wenn Darmkrebs die Lunge befällt: Hier half eine Operation etwa 20 bis 60 von 100 Patienten, die nächsten fünf Jahre zu überleben.

Kaum Fortschritte bei schweren Fällen

Die Erfolgschancen verringern sich allerdings rapide, wenn die Zahl der Metastasen überhand nimmt oder diese an Stellen sitzen, die eine Operation nicht zulassen. Doch auch wenn die Lage aussichtslos ist, werden viele dieser Patienten noch behandelt: Eine palliative Therapie soll die Leiden erträglicher machen und die restliche Lebenszeit etwas verlängern.

Forscher suchen intensiv nach Alternativen zu den oftmals ineffizienten Operationen. Hoffnung machen dabei sogenannte zielgerichtete Medikamente, die Schwachstellen des Krebs ausnutzen und ihn wirksam bekämpfen. Ein Beispiel ist der Wirkstoff Vemurafenib, der bei Melanomen bereits teils spektakuläre Erfolge erzielte: Bei einzelnen Patienten verschwand der Hautkrebs und alle Metastasen fast über Nacht. Doch von einer Heilung kann nicht die Rede sein - fast immer kehren nach einigen Monaten der Krebs und die Metastasen zurück. Sie entwickeln rasch eine Resistenz, die das Medikament vollkommen wirkungslos macht.

Die Bildung von Metastasen ist ein komplizierter Prozess, bei dem viele Faktoren eine Rolle spielen. Auch wenn Forscher in den letzten Jahren viel gelernt haben - von einem Durchbruch bei der Therapie sind sie noch weit entfernt. Metastasen bleiben auch in absehbarer Zukunft die größte Gefahr, die von einer Krebserkrankung ausgeht.

1 Heindel et al., Bildgebende Diagnostik von Knochenmetastasen, Dtsch Arztebl 2014 (link)
2 Landes et al., Predicting survival after pulmonary metastasectomy for colorectal cancer: previous liver metastases matter, BMC Surgery 2010 (link)
3 K. Rae Chi, The tumour trail left in blood, Nature 2016 (link)
Metastasen in einem Lymphknoten im Hals­bereich. Dargestellt mit einer Mischung aus Computer­tomographie und Positronen-Emissions-Tomographie. (Bild: A. Kouchiyama)

Definition Metastasen

Metastasen sind Tochtergeschwülste eines Tumors aus einem anderen Körpergewebe. Sie stammen von bösartigen Krebszellen ab, die sich vom ursprünglichen Primärtumor gelöst und über Blut- und Lymphbahnen an ihren neuen Ort gewandert sind.

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Kurz und knapp

  • bildgebende Verfahren entdecken Metastasen, die größer als zwei Millimeter sind
  • andere Methoden erkennen den Stoffwechsel der Krebszellen
  • die wichtigste Therapie von Metastasen bleibt das Entfernen durch einen Chirurgen
  • Chemo- und Strahlentherapie können die Operation unterstützen
  • zielgerichtete Therapien hatten bislang meist nur kurzzeitig Erfolg