Gene und Hormone steigern Risiko von Brustkrebs

Manche Familien leiden schwer unter Brustkrebs - die Vererbung von Krebsgenen macht sie besonders anfällig. Doch auch ein weibliches Sexualhormon fördert die Ausbreitung.

Wenn eine Frau sich ihre gesunden Brüste abnehmen lässt, muss die Angst groß sein. Der Filmstar Angelina Jolie erregte mit diesem Schritt im Jahr 2013 großes Aufsehen: Zuvor hatten Ärzte bei ihr eine Mutation in dem Krebsgen BRCA1 gefunden, die angeblich ihr Krebsrisiko auf dramatische 87 % anwachsen ließ1. Doch Angelina Jolie ist eine Ausnahme - in vielerlei Hinsicht.

Krebsgen BRCA

BRCA-Gene erhöhen das Risiko für Brustkrebs, sind aber selten.

Schon lange ist bekannt, dass Brustkrebs in manchen Familien gehäuft auftritt. Ursache dafür ist die Vererbung von Genen, die das Risiko von Brustkrebs deutlich erhöhen. Bei diesen Genen handelt es sich um Varianten, die geringfügige Abweichungen enthalten - schon die Änderung eines einzelnen Buchstabens im Erbgut kann dramatische Folgen haben. Forscher kennen fast 60 verschiedene Gene, die an der Entstehung von Brustkrebs beteiligt sind. Allerdings erhöhen die meisten davon das Risiko nur leicht2.

Vererbtes Risiko - die Rolle von BRCA

Zwei Gene ragen jedoch heraus - BRCA1 und BRCA2. Erbliche Veränderungen in diesen Genen können das Risiko von Brustkrebs auf bis zu 60-80 % ansteigen lassen. Allerdings sind diese Gen-Varianten auch sehr selten - nur bei einer von hundert Frauen sind sie zu finden. Sie erklären daher auch nur einen Teil der Erkrankungen: nur etwa ein Viertel der familiären und weniger als ein Zehntel aller Brustkrebsfälle. Angelina Jolie, die eine Variante von BRCA1 trägt, ist damit ein Sonderfall: Bei 99 % aller Frauen ist das Risiko um ein Vielfaches geringer.

Hinzu kommt, dass die BRCA-Gene an tausenden unterschiedlichen Stellen mutiert sein können. Wie gefährlich sie sind oder ob sie überhaupt Brustkrebs hervorrufen, ist für den größten Teil dieser Mutationen noch unklar. Das persönliche Risiko lässt sich daher meist nur schwer abschätzen. Auch vor diesem Hintergrund kann die Entscheidung von Angelina Jolie, sich beide Brüste amputieren zu lassen, kein allgemeines Vorbild sein - vielen Betroffenen stehen auch weniger radikale Optionen offen3.

Neben BRCA können Varianten von mindestens 60 weiteren Genen das Risiko von Brustkrebs erhöhen. Allerdings ist ihr Einfluss deutlich geringer: Fast alle dieser Varianten sind entweder sehr selten oder erhöhen das Krebsrisiko nur geringfügig. Trägt eine Frau allerdings mehrere davon in ihrem Erbgut, kann sich das Risiko deutlich erhöhen. Doch die Zusammenhänge sind kompliziert, und genaue Vorhersagen sind schwierig. Dazu kommt, das viele genetische Risikofaktoren noch unentdeckt sind: Insgesamt können Forscher heute nur die Hälfte aller familiären Brustkrebsfälle erklären4.

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Östrogen fördert den Krebs

Doch die Entwicklung von Brustkrebs hängt nicht nur von Krebsgenen ab. Auch das weibliche Sexualhormon Östrogen ist beteiligt - es löst den Krebs zwar nicht aus, unterstützt aber seine Ausbreitung. Bereits in normalem Brustgewebe fördert das Hormon das Wachstum der Zellen. Wenn sich erste Krebs-Vorläufer entwickeln, kann dieser Effekt tragische Folgen haben: Je höher der Östrogen-Spiegel, desto höher das Krebsrisiko. So haben etwa Asiatinnen generell einen niedrigen Östrogen-Spiegel - und ein vermindertes Brustkrebs-Risiko5. Und bei Frauen, die nach der Menopause an Brustkrebs erkranken, ist der Östrogen-Spiegel um 15 % erhöht6.

Daher haben alle Faktoren, die den Hormonhaushalt von Frauen beeinflussen, auch Auswirkungen auf die Entwicklung von Brustkrebs. Ein frühes Einsetzen der ersten Regelblutung oder ein hohes Alter bei der Menopause können daher Anzeichen für eine höhere Gefährdung sein. Auch Schwangerschaften spielen eine Rolle: Späte Schwangerschaften oder deren Ausbleiben können das Risiko erhöhen7.

Die Erkenntnis, dass Östrogen die Ausbreitung von Brustkrebs fördert, hat bereits in den 1970er Jahren eine neue Therapie ermöglicht - mit dem Wirkstoff Tamoxifen, der dieses Wachstumssignal blockiert. Die Forschung hat diesen Weg weiter verfolgt und dabei eine neue Art von zielgerichteten Medikamenten entwickelt, die neue Optionen der Behandlung eröffnen. Forscher hoffen, noch wirksamere Medikamente zu finden - damit die drastische Entscheidung von Angelina Jolie in Zukunft überflüssig wird.

1 H. Scowcroft, Angelina Jolie, inherited breast cancer and the BRCA1 gene, CancerResearchUK Mai 2013 (Link)
2 Couch et al., Two decades after BRCA: setting paradigms in personalized cancer care and prevention, Science März 2014 (Link)
alle Referenzen anzeigen 3 Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V. (AKF), Angelina Jolie, BRCA-Gentests und genetisch bedingter Brustkrebs, Juni 2013 (Link)
4 S. Kean, The Other Breast Cancer Genes, Science März 2014 (Link)
5 Bernstein et al., Serum hormone levels in pre-menopausal Chinese women in Shanghai and white women in Los Angeles, Cancer Causes & Control Juli 1990 (Link)
6 Thomas et al., Endogenous estrogen and postmenopausal breast cancer: a quantitative review, Cancer Causes & Control 1997 (Link)
7 Lipworth et al., Epidemiology of breast cancer, European Journal of Cancer Prevention Februar 2011 (Link)

Krebsgen BRCA

BRCA-Gene erhöhen das Risiko für Brustkrebs, sind aber selten.
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Kurz und knapp

  • etwa 60 Krebsgene erhöhen das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken
  • die Gene BRCA1 und BRCA2 können das Brustkrebs-Risiko um bis zu 60- 80 % erhöhen
  • die meisten anderen Krebsgene sind entweder sehr selten oder haben nur einen geringen Einfluss
  • die Wirkung der meisten Krebsgene wird nur schlecht verstanden
  • das Hormon Östrogen fördert die Verbreitung von Brustkrebs
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