Alofisel - Stammzelltherapie bei Morbus Crohn

   

Die Stammzelltherapie Alofisel hilft bei einer Komplikation der entzündlichen Darmkrankheit Morbus Crohn. Mesenchymale Stammzellen, gewonnen aus dem Fettgewebe fremder Spender, unterstützen die Heilung von Fisteln im Analbereich.

Im März 2018 hat die europäische Arzneimittelbehörde die erste Stammzelltherapie zugelassen, deren Zellen von fremden (allogenen) Spendern stammen. Alofisel (Darvadstrocel) ist damit - nach Holoclar - erst die zweite kommerzielle Stammzelltherapie auf dem europäischen Markt. Die Behandlung unterstützt die Heilung von komplexen Analfisteln, einer Komplikation bei der Darmkrankheit Morbus Crohn. Allerdings profitiert nur ein Teil der Betroffenen von der Therapie1.

Alofisel bei Morbus Crohn

Entwickelt wurde Alofisel von der belgischen Firma TiGenix, die Vermarktung übernimmt der japanische Konzern Takeda. Bevor die ersten Patienten behandelt werden können, stehen allerdings die Preisverhandlungen mit den Krankenkassen an, die sich über längere Zeit hinziehen können.

Die Krankheit - Analfisteln in Folge von Morbus Crohn

Morbus Crohn ist eine entzündliche Reaktion des Darms, die mit schweren Bauchschmerzen und Durchfall einhergeht. Am häufigsten sind der untere Dünndarm und der Dickdarm betroffen. Die Ursache ist unklar, die Therapie gestaltet sich schwierig und besteht in der Regel aus entzündungshemmenden Maßnahmen.

Eine der zahlreichen Komplikationen von Morbus Crohn sind Fisteln im Analbereich, die etwa bei bis zu drei von zehn Patienten auftreten und sehr schmerzhaft sein können. Es handelt sich dabei um unnatürliche Verbindungen zwischen dem Enddarm und der Körperoberfläche. Der Begriff "komplexe Fistel" bezeichnet ein fortgeschrittenes Stadium: Dabei bestehen mehrere Hohlgänge zwischen Darm und Haut, oder die Fisteln reichen sehr tief, oder sie sind mit Eiter gefüllt. Bei komplexen Fisteln sind Ärzte oftmals machtlos.

Die Therapie - allogene mesenchymale Stammzellen

Mesenchymale Stammzellen können viele Arten von Entzündungen besänftigen. Sie tragen nicht direkt zum Aufbau von neuem Gewebe bei und überleben in der Regel auch nicht langfristig im Körper der Patienten. Für ihre Wirkung reicht es aus, wenn sie über einen begrenzten Zeitraum hinweg entzündungshemmende Botenstoffe aussenden.

Alofisel wird aus mesenchymalen Zellen hergestellt, die aus dem Fettgewebe von fremden (allogenen) Spendern stammen. Die Zellen werden kurzzeitig im Labor vermehrt, und pro Patient werden etwa 120 Millionen Zellen in die Wände der Analfistel und in die direkte Umgebung injiziert. Alofisel wird nur einmal verabreicht. Die Zulassung beschränkt sich auf erwachsene Morbus-Crohn-Patienten mit komplexen Analfisteln, bei den gängige Therapien nicht anschlagen.

Der Erfolg - jeder zweite Patient profitiert

Seine Wirksamkeit bewies Alofisel in einer Studie mit 212 Patienten2, denen mit konventionellen oder biologischen Arzneimittel nicht geholfen werden konnte. 24 Wochen nach der Behandlung wurden die Heilerfolge mit einer Placebo-Gruppe (Scheinbehandlung) verglichen. Als Messlatte für den Erfolg galt das Schließen der unnatürlichen äußeren Öffnungen und die Abwesenheit größere innerer Verbindungen, die mit Flüssigkeit gefüllt sind.

Eine Behandlung mit Alofisel führte bei fast 50 % der Patienten (53 von 107) zu einem Heilerfolg, in der Placebo-Gruppe lag diese Quote mit 34 % (36 von 105) statistisch signifikant niedriger. Ein Nachuntersuchung deutete an, dass die Heilerfolge auch nach 52 Wochen erhalten bleiben3.

Alofisel erhöht damit die Chancen einer Abheilung der Analfisteln um 44 %, aber insgesamt kann dennoch nur etwa die Hälfte der Patienten auf Besserung hoffen.

Die Nebenwirkungen - Abszesse sind möglich

Die Behandlung von Alofisel kann auch unerwünschte Nebenwirkungen haben. Einer von zehn Patienten muss mit Analabszessen rechnen, also Schwellungen mit Eiteransammlung. Etwa ebenso häufig sind neu auftretende anale Schmerzen sowie Schmerzen während der Behandlung.

Die Entwicklung - durch TiGenix

Entwickelt wurde Alofisel von der Firma TiGenix, die im belgischen Leuven ihren Hauptsitz hat. Bereits im Jahr 2009 wurde die Therapie von der EU als Orphan Drug eingestuft, ein Sonderstatus für hoffnungsvolle Therapien gegen lebensgefährliche oder chronische Krankheiten, die nur wenige Menschen betreffen. Die Vermarktung will TiGenix allerdings nicht selbst übernehmen, alle Rechte außerhalb der USA wurden an den japanischen Konzern Takeda abgetreten.

Die Kosten - noch unklar

Der Preis wurde noch nicht festgelegt.

1 European Medicines Agency (EMA), Alofisel (Darvadstrocel): Zusammenfassung des EPAR für die Öffentlichkeit, 2018 (link)
2 Panes et al., Expanded allogeneic adipose-derived mesenchymal stem cells (Cx601) for complex perianal fistulas in Crohn’s disease: a phase 3 randomized, double-blind controlled trial, The Lancet 2016 (link)
3 Panes et al., Long-term Efficacy and Safety of Stem Cell Therapy (Cx601) for Complex Perianal Fistulas in Patients With Crohn’s Disease, Gastroenterology, April 2018 (link)

Alofisel bei Morbus Crohn

Die Stammzelltherapie Alofisel ist seit März 2018 für den europäischen Markt zugelassen.

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Kurz und knapp

  • Morbus Crohn ist eine entzündliche Erkrankung des Darms
  • Analfisteln - Hohlgänge zwischen Darm und Haut - sind eine häufige Komplikation von Morbus Crohn
  • die Therapie Alofisel (Darvadstrocel) beruht auf mesenchymalen Stammzellen aus dem Fettgewebe fremder Spender
  • Alofisel unterstützt die Heilung von komplexen Analfisteln
  • etwa die Hälfte der Behandelten kann auf Besserung hoffen
  • zu den Nebenwirkungen gehören Abszesse und anale Schmerzen