Abecma: CAR-T-Zelltherapie gegen Multiples Myelom

CAR-T-Zellen bekämpfen das Multiple Myelom und können das Leben mancher Patienten verlängern. Die Therapie mit Namen Abecma ist bislang nur in den USA zugelassen.

CAR-T-Zelltherapie Abecma

Abecma: CAR-T-Zellen gegen Myelome

Das Multiple Myelom ist eine schwere Krebserkrankung, die sich im Knochenmark ausbreitet. Trotz zahlreicher Medikamente ist eine Heilung kaum möglich und das Risiko eines Rückfalls bleibt hoch. Die Gentherapie Abecma beruht auf CAR-T-Zellen, die den Krebsmarker BCMA erkennen. In schweren Fällen kann Abecma das Leben um mehrere Monate verlängern.

Abecma wird vom US-Konzern Bristol Myers Squibb hergestellt und ist seit März 2021 in den USA zugelassen. In der Europäischen Union hat ein Beratergremium im Juni 2021 die Zulassung empfohlen, die endgültige Entscheidung steht aber noch aus1.

Die Krankheit – Krebszellen im Knochenmark

Beim Multiplen Myelom kommt es zu einer krankhaften Vermehrung von Plasmazellen, einer Form von Immunzellen, die für die Produktion von Antikörpern zuständig sind2. Es bilden sich meist mehrere Krankheitsherde im Knochenmark, die Schmerzen und Knochenbrüche verursachen können. Die Krankheitsherde stören die Entstehung neuer Blut- und Immunzellen, was häufig eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen auslöst. Weitere Symptome sind Müdigkeit, Herzrhythmusstörungen und Nierenschäden.

In Deutschland treten jährlich etwa 7000 neue Fälle von Multiplem Myelom auf, die meisten Betroffenen sind älter als 45 Jahre3. Für die Behandlung stehen zahlreiche Medikamente zur Verfügung, die aber das Fortschreiten der Krankheit nur verlangsamen können. Rückfälle sind sehr häufig. Erst wenn vier Therapieversuche fehlgeschlagen sind, darf ein Multiples Myelom mit Abecma behandelt werden.

Der Nutzen – ein Viertel der Patienten lebt deutlich länger

Der Nutzen von Abecma (idecabtagene vicleucel) kann noch nicht endgültig beurteilt werden. Die Erfahrungen beschränken sich bislang auf eine klinische Studie mit 128 Patienten mit Multiplem Myelom, die höchstens drei Jahre lang nachverfolgt wurden4. Alle Teilnehmer der Studie hatten bereits mindestens drei erfolglose Therapieversuche hinter sich.

Die vorläufigen Ergebnisse der Studie lauten:

  • etwa 7 von 10 Patienten sprachen auf die Behandlung an
  • bei etwa 3 von 10 Patienten ging der Krebs vollständig zurück
  • die mittlere Überlebensdauer aller Patienten betrug im Mittel 11 Monate
  • die mittlere Überlebensdauer der Patienten, bei der Krebs vollständig zurückging, betrug 19 Monate

Trotz der bislang nur spärlichen Studiendaten gehen Experten davon aus, dass Abecma einen spürbaren Vorteil gegenüber bisherigen Therapien bietet5.

Die Therapie – CAR-T-Zellen erkennen den Krebsmarker BCMA

CAR-T-Zellen sind körpereigene Immunzellen, die mit einem künstlichen Rezeptor zielgerichtet nach Krebs suchen können. Bei Abecma richtet sich dieser Rezeptor oder CAR (chimeric antigen receptor) gegen den Marker BCMA, der vor allem auf den krankhaft veränderten Plasmazellen des Multiplen Myeloms zu finden ist.

Für die CAR-T-Zelltherapie werden dem Patienten Immunzellen (darunter auch sogenannte T-Zellen) entnommen und im Labor mit einem lentiviralen Vektor behandelt. Dieser Vektor transportiert den CAR gegen den Krebsmarker BCMA in die T-Zellen. Diese CAR-T-Zellen werden im Labor weiter vermehrt und nach etwa drei Wochen zurück in den Körper des Patienten gegeben.

Die Nebenwirkungen – Zytokinsturm, Neurotoxizität und eine seltene Immunreaktion

Wie alle CAR-T-Zelltherapien löst auch Abecma schwere Nebenwirkungen aus. Die Mehrzahl der Patienten muss mit diesen Folgen rechnen, im Verlauf der ersten Studie ist es auch zu mehreren Todesfällen gekommen4. Die wichtigsten Nebenwirkungen sind:

  • Zytokinsturm: Die Entzündungsreaktion trat bei mehr als 8 von 10 Patienten auf, bei weniger als 1 von 10 nahm sie einen schweren Verlauf.
  • Neurotoxizität: Störungen der Gehirnfunktion traten bei knapp 3 von 10 Patienten auf, ein schwerer Verlauf wurde bei 4 von 100 Patienten beobachtet.
  • Zytopenie: Häufig trat auch ein länger andauernder Mangel an Blutzellen auf. Bei 5 von 10 Patienten waren die Thrombozyten betroffen, bei 4 von 10 Patienten die neutrophilen Granulozyten.
  • Hämophagozytische Lymphohistiozytose (HLH): Die lebensbedrohliche Entzündungsreaktion trat bei 4 von 100 Patienten auf.

Weitere häufige Nebenwirkungen sind Infektionen, Müdigkeit, Muskelschmerzen und ein geschwächtes Immunsystem6.

Die Entwicklung – zehn Jahre und drei Firmen

Die Entwicklungszeit von Abecma betrug knapp zehn Jahre. Der lentivirale Vektor, der den CAR in die Immunzellen einschleust, stammt von der US-Firma Bluebird bio. Die klinischen Studien erfolgten dann in Zusammenarbeit mit dem US-Konzern Celgene. Celgene wurde im Jahr 2019 vom US-Pharmariesen Bristol Myers Squibb aufgekauft, der nun als Hersteller geführt wird und die Vermarktung übernimmt.

Die Kosten – in den USA 419 500 US$

Eine Behandlung mit Abecma wird in den USA 419 500 US-Dollar kosten, ist also etwas teurer als andere CAR-T-Zelltherapien. Die Therapie ist grundsätzlich als Einmalbehandlung vorgesehen, dennoch erhielten in der ersten Studie etwa 20 % der Patienten eine zweite Infusion. Unter diesen Umständen hat das unabhängige Institute for Clinical and Economic Review (ICER) den Preis als zu hoch kritisiert und vorgeschlagen, den Preis auf etwa die Hälfte zu reduzieren5.

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1 European Medicines Agency (EMA), Summary of opinion: Abecma (idecabtagene vicleucel), EMA/CHMP/348641/2021, Juni 2021 (Link)
2 Myelom-Gruppe Rhein-Main, Was ist das Multiple Myelom/Plasmozytom?, Webseite, abgerufen April 2021 (Link)
alle Referenzen anzeigen 3 Zentrum für Krebsregisterdaten, Titel, Robert Koch-Institut, Stand dezember 2019 (Link)
4 Bristol Myers Squibb, U.S. Food and Drug Administration Approves Bristol Myers Squibb’s and bluebird bio’s Abecma (idecabtagene vicleucel), Pressemtitteilung, März 2021 (Link)
5 N. Pagliarulo, New CAR-T therapy from Bristol , Bluebird effective but too costly , ICER finds, BioPharmaDive, April 2021 (Link)
6 Federal Drug Agency, FDA Approves First Cell-Based Gene Therapy for Adult Patients with Multiple Myeloma, Pressemitteilung, März 2021 (Link)

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