Breyanzi: CAR-T-Zelltherapie gegen B-Zell-Lymphome

Die Gentherapie Breyanzi behandelt hartnäckige B-Zell-Lymphome und kann die Überlebensdauer deutlich verlängern. Bislang ist sie nur in den USA zugelassen.

Breyanzi

Standardtherapien sind bei manchen B-Zell-Lymphomen machtlos. Als Alternative bietet sich dann die Gentherapie Breyanzi an: Sie kann hartnäckigen Lymphdrüsenkrebs bei etwa der Hälfte der Patienten vollständig zurückdrängen, ihre Wirkung hält oft neun Monate oder länger an.

Breyanzi ist die dritte CAR-T-Zelltherapie gegen B-Zell-Lymphome, die Konkurrenten Kymriah und Yescarta werden bereits seit 2017 angewendet.

Hersteller von Breyanzi ist der US-Konzern Bristol Myers Squibb. Die Therapie ist seit Februar 2021 in den USA zugelassen, in der Europäischen Union wird der Antrag auf Genehmigung noch geprüft.

Die Krankheiten – unterschiedliche Formen von B-Zell-Lymphomen

Lymphome entstehen, wenn sich Immunzellen unkontrolliert im Lymphgewebe vermehren. Eine diese eher seltenen Krebsarten ist das diffuse großzellige B-Zell-Lymphom (DLBCL), die häufigste Form des Non-Hodgkin-Lymphoms. Jährlich erkranken etwa 7000 Deutsche an DLBCL, meist in einem Alter von etwa 70 Jahren1.

Lymphome werden meist mit einer Strahlen- oder Chemotherapie behandelt. Die Aussichten sind vergleichsweise gut: Etwa 60 % der behandelten Patienten haben eine Lebenserwartung von mindestens zehn Jahren2. Bleiben die Standardtherapien jedoch ohne Erfolg, verschlechtern sich die Überlebenschancen drastisch. Patienten dürfen erst mit Breyanzi behandelt werden, wenn sie bereits zwei erfolglose Therapieversuche hinter sich haben.

Neben DLBCL ist Breyanzi auch für das primär mediastinale großzellige B-Zell-Lymphom und das follikuläre Lymphom Grad 3b zugelassen.

Der Nutzen – grundsätzlich wirksam, aber Dauer noch nicht abschätzbar

Breyanzi kann hartnäckige B-Zell-Lymphome wirksam zurückdrängen: In einer ersten Studie reagierten etwa 7 von 10 Teilnehmern zumindest teilweise auf die Therapie, bei etwa 5 von 10 war der Krebs sogar vollständig verschwunden3.

Allerdings ist noch ist unklar, wie lange die Wirkung anhält – im Schnitt lag der Behandlungsbeginn für die meisten Patienten weniger als zwei Jahre zurück. Bislang scheint die Entwicklung aber positiv zu sein: Bei 2 von 3 Patienten, bei denen das Lymphom vollständig zurückging, hielt die Wirkung mindestens 9 Monate an.

Die Therapie – CAR-T-Zellen erkennen Krebsmarker von Lymphomen

Die T-Zellen des Immunsystems können Tumore oft schwer erkennen – sie benötigen die Unterstützung eines künstlichen Rezeptors, des CAR (chimeric antigen receptor). Bei Breyanzi (lisocabtagene maraleucel) ist der CAR gegen den Krebsmarker CD19 gerichtet und erlaubt die gezielte Bekämpfung von B-Zell-Lymphomen.

Für die Therapie werden Immunzellen aus dem Körper der Patienten aufgereinigt und im Labor mit dem künstlichen Rezeptor ausgestattet. Diese CAR-T-Zellen werden etwa drei Wochen lang im Labor vermehrt und dann dem Patienten zurückgegeben.

Die Nebenwirkungen – Zytokinsturm und Neurotoxizität

Jede CAR-T-Zelltherapie ist mit schweren Nebenwirkungen verbunden, das gilt auch für Breyanzi. Allerdings scheinen die Folgen etwas milder zu sein als bei den Konkurrenzprodukten, so dass die Therapie auch ambulant durchgeführt werden kann. Die Transplantation der CAR-T-Zellen muss zwar in einer spezialisierten Klinik erfolgen, die folgenden Tage können die Patienten – ausgestattet mit einem tragbaren Monitor – aber an einem nahegelegenen Platz ihrer Wahl verbringen.

Zu den schwersten Nebenwirkungen von Breyanzi zählt der Zytokinsturm4: Etwa die Hälfte der Behandelten leidet unter der Entzündungsreaktion, allerdings nimmt sie nur bei 1 von 25 Patienten einen schweren Verlauf (Grad 3 oder mehr). Ähnlich ist das Bild bei neurologischen Problemen: 3 von 10 Patienten sind von ihnen betroffen, schwere Formen treten jedoch nur bei 1 von 10 auf.

Patienten müssen mit zahlreichen weiteren Nebenwirkungen rechnen, die allerdings eher selten lebensgefährlich verlaufen.

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Die Entwicklung – Todesfälle verzögerten den Erfolg

Entwickelt wurde Breyanzi ursprünglich von der US-amerikanischen Firma Juno Therapeutics. Juno galt lange Zeit als führend bei der Entwicklung von CAR-T-Zelltherapien, ihre klinischen Studien wurden aber durch mehrere Todesfälle zurückgeworfen. Bei den ersten Zulassungen hatten daher die Konkurrenten Novartis und Gilead den Vortritt. Breyanzi ist eine Weiterentwicklung der ersten CAR-T-Zelltherapien von Juno und wurde im Februar 2021 von der US-Arzneimittelbehörde zugelassen5.

Juno Therapeutics war zu diesem Zeitpunkt allerdings keine eigenständige Firma mehr: 2018 wurde sie von der US-Firma Celgene aufgekauft, die wiederum im Jahr 2019 von US-Pharmariesen Bristol Myers Squibb übernommen wurde.

Die Kosten – 410 300 US-Dollar

In den USA soll der Preis von Breyanzi bei 410 300 US-Dollar liegen, er liegt damit etwa 10 % über dem Preis der Konkurrenzprodukte Kymriah und Yescarta6. Der Vorteil von Breyanzi besteht darin, dass die Behandlung mit Einschränkungen auch ambulant durchgeführt werden kann (siehe Nebenwirkungen). Der Hersteller Bristol Myers Squibb hofft offenkundig, dass der geringere Aufwand für die Kliniken und der erhöhte Komfort der Patienten einen höheren Preis rechtfertigen.

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1 Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V., Diffus großzelliges B-Zell-Lymphom (DLBCL) Stand Januar 2019 (Link)
2 Zentrum für Krebsregisterdaten, Non-Hodgkin-Lymphome, Stand Dezember 2019, abgerufen Februar 2021 (Link)
alle Referenzen anzeigen 3 Abramson et al., lisocabtagene maraleucel for patients with relapsed or refractory large B-cell lymphomas (TRANSCEND NHL 001): a multicentre seamless design study, Lancet, September 2020 (Link)
4 Bristol Myers Squibb, U.S. Food and Drug Administration Approves Bristol Myers Squibb’s Breyanzi (lisocabtagene maraleucel), a New CAR T Cell Therapy for Adults with Relapsed or Refractory Large B-cell Lymphoma, Pressemitteilung, 5. Februar 2021 (Link)
5 Federal Drug Agency, FDA approves lisocabtagene maraleucel for relapsed or refractory large B-cell lymphoma, Pressemitteilung, 5. Februar 2021 (Link)
6 K. Blankenship, Bristol Myers Squibb earns long-awaited FDA nod for liso-cel, joining short list of lymphoma CAR-T winners, Endpoints News, Februar 2021 (Link)

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