Tecartus: CAR-T-Zelltherapie bei Mantelzell-Lymphom

Die Gentherapie Tecartus ist speziell auf die Behandlung von hartnäckigen Mantelzell-Lymphomen zugeschnitten. In einer ersten Studie verlängerten sie die Lebensdauer einiger Patienten um zwei Jahre oder mehr.

Tecartus

Tecartus nutzt CAR-T-Zellen gegen das Mantelzell-Lymphom und kostet 360 000 €

Mantelzell-Lymphome entstehen in den Lymphdrüsen und breiten sich rasch im Blutstrom aus. Eine Behandlung mit CAR-T-Zellen wird dadurch erschwert: Es besteht die Gefahr, dass schnell wachsende Krebszellen im Blut die Therapie verunreinigen.

Tecartus ist eine Variante der bereits zugelassenen Therapie Yescarta: Dank eines zusätzlichen Reinigungsschritts ist Tecartus jedoch besser für die Therapie von Mantelzell-Lymphomen geeignet. Seit Juli 2020 ist Tecartus in den USA zugelassen1, seit Dezember 2020 auch in der Europäischen Union2.

Die Krankheit – Mantelzell-Lymphom

In Deutschland erkranken jährlich etwa 1000 Menschen neu am Mantelzell-Lymphom, einer Variante der Non-Hodgkin-Lymphome3. Die Erkrankung schreitet bei ungefähr 80 Prozent der Patienten sehr rasch voran und muss schnell behandelt werden. Meist erkranken Menschen in einem höheren Alter (im Mittel etwa 65 Jahre), Männer trifft es etwa viermal häufiger als Frauen.

Eine vollständige Heilung ist eher selten und am ehesten durch eine riskante Stammzelltransplantation zu erreichen. Medikamente können das Voranschreiten der Erkrankung mehrere Jahre lang aufhalten; falls sie nicht anschlagen oder der Patient rückfällig wird, sind die Überlebensaussichten gering.

Der Nutzen – deutlich verlängerte Lebenserwartung

Bislang beschränken sich die Erfahrungen mit Tecartus auf eine klinische Studie mit etwa 70 Patienten, die Ergebnisse sind daher nur eingeschränkt aussagekräftig. Behandelt wurden nur Patienten mit sehr aggressiven Mantelzell-Lymphomen, die durch andere Therapieformen nicht kontrolliert werden konnten2. Die Überlebenserwartung beträgt in diesen Fällen meist weniger als ein Jahr.

Vor diesem Hintergrund hat Tecartus begrenzte Erfolge erzielt. Fast neun von zehn Patienten haben auf die Behandlung reagiert, bei etwa sechs von zehn Patienten wurde das Lymphom zumindest innerhalb der ersten sechs Monate vollständig zurückgedrängt. Bei knapp der Hälfte der Patienten, die mindestens zwei Jahre überlebt haben, waren weiterhin keine Spuren der Erkrankung zu finden4. Ob dies einen messbaren Zusatznutzen darstellt, lässt sich laut dem Gemeinsamen Bundesausschuss noch nicht sicher sagen5.

Die Therapie – Immunzellen erkennen einen Krebsmarker

Tecartus (Brexucabtagen autoleucel) wird aus körpereigenen Zellen des Patienten hergestellt. Diese T-Zellen des Immunsystems werden im Labor mit einem künstlichen Rezeptor (CAR) ausgestattet, der den Krebsmarker CD19 erkennt. Nach etwa zwei Wochen werden die CAR-T-Zellen zurück in den Körper transplantiert und beginnen mit der Bekämpfung von Krebs.

Der Hersteller von Tecartus, die US-Firma Gilead, ist bereits seit 2017 mit der CAR-T-Zelltherapie Yescarta auf dem US-amerikanischen Markt vertreten. Tecartus und Yescarta ähneln sich stark, die Unterschiede liegen vor allem im Herstellungsprozess: Die T-Zellen der Patienten werden bei Tecartus sorgfältiger aufgereinigt, um gefährliche Krebszellen sicher zu entfernen.

Die Nebenwirkungen – Zytokinsturm und Neurotoxizität

Wie alle CAR-T-Zelltherapien hat Tecartus schwere, manchmal sogar lebensgefährliche Nebenwirkungen. In einer ersten klinischen Studie litten neun von zehn Patienten unter einem Zytokinsturm, einer gefährlichen Entzündungsreaktion, die den ganzen Körper erfasst. Bei etwa zwei von zehn Patienten erreichte der Zytokinsturm lebensbedrohliche Ausmaße, ein Patient (von etwa 70) ist an den Folgen gestorben.

Bei etwa zwei von drei Patienten war auch die Funktion des Gehirns beeinträchtigt, es kam zu Kopfschmerzen, Zittern, Wortfindungsstörungen und seltener sogar zum Delirium.

Zahlreiche weiter Nebenwirkungen könnten auftreten, die viele Körperfunktionen und Organe beeinträchtigen6.

Die Kosten – 360 000 €

Der Kosten für eine einmalige Behandlung mit Tecartus liegen bei 360 000 Euro, sind in also etwas höher als bei dem ähnlichen Produkt Yescarta. In den USA soll Tecartus und Yescarta gleich viel kosten, also 373 000 $4.

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1 Pressemitteilung der US-Arzneimittelbehörde FDA, FDA Approves First Cell-Based Gene Therapy For Adult Patients with Relapsed or Refractory MCL, Juli 2020 (Link)
2 European Medicines Agency, Übersicht über Tecartus und warum es in der EU zugelassen ist, EPAR – Medicine overview, Januar 2021 (Link)
alle Referenzen anzeigen 3 M. Dreyling, Mantelzell-Lymphom, Kompetenznetzwerk Maligne Lymphome, Stand Februar 2019 (Link)
4 E. Sagonowsky, Gilead's Kite bags second CAR-T okay with Tecartus nod in mantle cell lymphoma, FiercePharma, Juli 2020 (Link)
5 Deutsches Ärzteblatt, G-BA definiert Qualitätsan­forderungen für Tecartus-Behandlung, Augsut 2021 (Link)
6 K. Gräfe, CAR-T-Zelltherapie beim Mantelzell-Lymphom, Pharmazeutische Zeitung, April 2021 (Link)
7 Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Autologe Anti-CD19-transduzierte CD3-positive Zellen (Mantelzell-Lymphom) – Bewertung gemäß § 35a Abs. 1 Satz 11 SGB V, Bericht Nr. 1112, Mai 2021 (Link)

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Kurz und knapp

  • Tecartus ist eine CAR-T-Zelltherapie bei Mantelzell-Lymphomen
  • Tecartus ähnelt der Gentherapie Yescarta, wird aber unterschiedlich hergestellt
  • erste Studien deuten an, dass bei hartnäckigen Lymphomen die Überlebensdauer verlängert werden kann
  • sehr häufige Nebenwirkungen sind der Zytokinsturm und Neurotoxizität
  • Tecartus ist seit Dezember 2020 in Europa zugelassen und kostet 360 000 € für die einmalige Anwendung
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