Vyjuvek – Gentherapie gegen „Schmetterlingskrankheit‟

Die Gentherapie Vyjuvek fördert die Heilung von Hautwunden bei der Erbkrankheit Epidermolysis bullosa dystrophica. Die Therapie wird als Gel aufgetragen und kann wiederholt angewendet werden.

Vyjuvek

Die Gentherapie Vyjuvek behandelt Hautwunden bei der Erbkrankheit Epidermolysis bullosa dystrophica

Die Epidermolysis bullosa dystrophica (EBD, „Schmetterlingskrankheit‟) ist eine schwere Erkrankung, die zu häufigen und tiefen Hautwunden führt. Ursache ist ein defektes Gen für Collagen: Die oberste Hautschicht ist nicht fest verankert und löst sich bei geringer Belastung ab. Die Gentherapie Vyjuvek lindert den genetischen Defekt, indem sie ein intaktes Collagen-Gen mit Hilfe von Herpesviren in die Hautzellen transportiert.

Vyjuvek ist seit Mai 2023 in den USA zugelassen1. Die Zulassung in der EU ist beantragt und könnte im Jahr 2024 erfolgen.

Die Krankheit – Hautwunden bei kleinster Belastung

EBD ist eine sehr seltene Erbkrankheit, die etwa 1 bis 3 von einer Million Menschen betrifft2. Die Ursache ist ein Defekt in dem Gen COL7A1. Dieses Gen ist notwendig für die Herstellung von Collagen Typ VII: Dieses fadenförmige Protein ist ein wichtiger Bestandteil des Bindegewebes der Haut. Fehlt das Collagen-Molekül, ist die oberste Hautschicht nicht mehr fest mit dem darunter liegenden Gewebe verbunden.

Bei Menschen mit EBD führt oft schon ein leichter Stoß oder Druck dazu, dass sich die oberste Hautschicht ablöst und eine mit Flüssigkeit gefüllte Blase entsteht. Diese Blasen können sich ausbreiten, entzünden und schließlich vernarben. Zu den Spätfolgen zählen der Verlust von Finger- und Fußnägeln, das Zusammenwachsen von Fingern und Zehen, schwere Infektionen und die Entstehung von aggressiven Plattenepithelkarzinomen.

Der Nutzen – deutlich bessere Wundheilung

Forscher testeten die Wirksamkeit von Vyjuvek in einer Studie mit 31 Teilnehmern, die im Durchschnitt 16 Jahre alt waren und überwiegend an der rezessiven Form der EBD litten3. Ärzte wählten bei jedem Teilnehmer zwei Hautwunden mit vergleichbarer Größe aus. Eine der Wunden wurde mit Vyjuvek behandelt, die andere mit einem Scheinmedikament (Placebo). Die Therapie erfolgte einmal wöchentlich in Form eines Gels, das direkt auf die Wunden aufgetragen wurde. Die Gesamtdauer der Behandlung betrug 26 Wochen.

Nach der Behandlung mit Vyjuvek waren 2 von 3 Wunden nach 6 Monaten vollständig abgeheilt, bei den Kontrollen waren es nur etwa 1 von 5 Wunden. Zudem gab es Hinweise, dass die Wunden nach der Behandlung mit Vyjuvek etwas länger verschlossen blieben.

In einem Einzelfall konnte die Gentherapie das Augenlicht eines 13-jährigen Jungen retten. Durch die Krankheit hatten sich Narben auf der Hornhaut des Auges gebildet – die Augenlider drohten sich vollständig zu verschließen. Nach einer Operation und der Gabe von Vyjuvek konnte der Junge wieder fast uneingeschränkt sehen4.

Die Therapie – wiederholt anwendbare Herpesviren

Vyjuvek (Beremagene Geperpavec) nutzt einen veränderten Herpes simplex Virus, um ein intaktes Gen für Collagen Typ VII in Hautzellen einzuschleusen5. Dieses COL7A1-Gen lagert sich nicht direkt in das Erbgut ein: Dadurch sinkt das Risiko, dass unerwünschte Krebsmutationen entstehen. Allerdings geht das eingeschleuste Gen bei der Zellteilung leicht verloren, so dass die Wirkung der Therapie auf einen kurzen Zeitraum begrenzt ist.

Das Herpesvirus ist gentechnisch so verändert, dass es sich nicht mehr selbstständig vermehren und im Körper ausbreiten kann. Im Gegensatz zu anderen Arten von Genfähren scheint es auch keine starke und lang anhaltende Immunreaktion bei den Behandelten auszulösen. Dies hat den Vorteil, dass die Behandlung mehrmals wiederholt werden kann. Das Virus wird dazu mit einem Gel vermischt und direkt auf die Wunde aufgetropft.

Die Nebenwirkungen – vor allem Juckreiz und Schüttelfrost

Bei etwa der Hälfte der Behandelten traten Nebenwirkungen auf, die aber durchgehend mild und nicht dauerhaft waren. Jeweils drei Studienteilnehmer litten unter Juckreiz und Schüttelfrost. Noch seltener traten Rötungen, Husten und Erkältungssymptome auf.

Die Alternativen – Wundbehandlung und Schmerzmittel

Da die EBD nicht heilbar ist, beschränkt sich die Behandlung in der Regel auf eine sorgfältige Wundversorgung. Bei Bedarf können auch Schmerzmittel verabreicht werden.

Forscher arbeiten an weiteren experimentellen Therapien, bei denen genetisch veränderte Hautzellen transplantiert werden. Diese Versuche befinden sich noch in einem frühen Stadium.

Die Entwicklung – von einer kleinen US-Firma

Federführend bei der Entwicklung von Vyjuvek ist die Firma Krystal Biotech mit Sitz in Pittsburgh, USA. Die größte klinische Studie erfolgte in Zusammenarbeit mit drei kalifornischen Universitäten. Im Mai 2023 wurde Vyjuvek in den USA zugelassen.

Die Kosten – etwa 600 000 Euro jährlich

Im Gegensatz zu anderen Gentherapien wird Vyjuvek wiederholt angewendet. Eine Ampulle der Salbe kostet gut 22 000 Euro, der Jahresbedarf wird auf etwa 26 Ampullen geschätzt. Die jährlichen Kosten könnten sich somit auf durchschnittlich rund 600 000 Euro belaufen6.

1 U.S. Food and Drug Administration (FDA), FDA Approves First Topical Gene Therapy for Treatment of Wounds in Patients with Dystrophic Epidermolysis Bullosa, Pressemitteilung, Mai 2023 (Link)
2 Interessengemeinschaft Epidermolysis Bullosa e. V. DEBRA Deutschland, Was ist Epidermolysis bullosa (EB)?, ieb-debra.de, abgerufen Juni 2023 (Link)
alle Referenzen anzeigen 3 Guide et al., Trial of Beremagene Geperpavec (B-VEC) for Dystrophic Epidermolysis Bullosa, New England Journal of Medicine, Dezember 2022 (Link)
4 Deutsches Ärzteblatt, Epidermolysis bullosa dystrophica: Gentherapie rettet 13-jährigem Jungen das Augenlicht, Februar 2024 (Link)
5 Beremagene Geperpavec: Topische Gentherapie bei Epidermolysis bullosa dystrophica wirksam, Deutsches Ärzteblatt, Januar 2023 (Link)
6 Prodinger und Laimer, Neue Lokal- und Systemtherapien bei Epidermolysis bullosa, Hautnah, Februar 2024 (Link)

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Kurz und knapp

  • die Epidermolysis bullosa dystrophica wird durch einen Defekt im Gen für Collagen Typ VII ausgelöst (COL7A1)
  • als Folge entstehen häufige und teils tiefe Hautwunden
  • die Gentherapie Vyjuvek (Beremagene Geperpavec) schleust eine intakte Form des Gens COL7A1 in Hautzellen ein
  • Vyjuvek nutzt ein Herpesvirus als Genfähre und ist wiederholt anwendbar
  • die Behandlung führt zu einer deutlich verbesserten Wundheilung
  • die Nebenwirkungen sind mild
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